Posted in: Biologie, Genetik 23. Oktober 2013 17:27 Weiter lesen →

Wie Bussard-Teenager ticken

Foto zeigt jungen Mäusebussard mit hellem Gefieder und weißer Flügelmarke mit großen Buchstaben am Boden Nicht nur beim Menschen hängt der Nachwuchs mal mehr und mal weniger am Rockzipfel der Eltern. Bielefelder Forscher haben 3 Gene identifiziert, die beim Mäusebussard deutlichen Einfluss auf die Abwanderung der Jungvögel aus dem elterlichen Revier haben. Je nachdem, welche Varianten dieser Gene die Tiere tragen, ziehen sie unterschiedlich früh in die Welt hinaus.

Foto: Bernhard Glüer/Universität Bielefeld

Anhand dieser Gene „lässt sich voraussagen, zu welchem Zeitpunkt die Jungtiere das Elternterritorium verlassen“, erklärt Nayden Chakarov von der Universität Bielefeld. Bei Singvögeln sei bereits ein Einfluss dieser Gene auf das Zugverhalten festgestellt worden, schreiben der Biologe und seine Kollegen im Fachblatt „Molecular Ecology“. Die neuen Resultate ständen daher im Einklang mit der Annahme, dass die jugendliche Abwanderung und die jahreszeitlichen Wanderungen auf einem ähnlichen Zustand der Unruhe beruhten.

Chakarov klettert seit Jahren regelmäßig auf hohe Bäume im Raum Bielefeld, um Küken des Mäusebussards (Buteo buteo) zu beringen, ihnen etwas Blut für genetische Tests abzunehmen und sie mit einer Flügelmarke zu versehen. Diese Marke ist auch für Hobbyornithologen gut zu entziffern, sodass die Forscher immer wieder Anrufe und E-Mails mit aktuellen Sichtungsmeldungen aus der Bevölkerung erhalten. Die Auswertung dieser Daten enthüllte nun einen merklichen genetischen Einfluss auf das Verhalten der Jungvögel.

Die Forscher fahndeten bei 976 Bussarden nach Varianten in 4 Genen, die bekanntermaßen am Ticken der inneren Uhr beteiligt sind. Eines dieser Gene, vielsagend als CLOCK bezeichnet, lag bei allen Individuen in derselben Form vor. Anders dagegen das Gen NPAS2. Jene Vögel, die überhaupt wieder bzw. nahe dem elterlichen Revier gesichtet wurden, trugen meist die etwas längere von 2 Varianten dieses Gens. Die Gene ADCYAP1 und CREB1 kamen sogar in je 3 Varianten vor. Jungbussarde, die noch vor dem 1. November eines Jahres weitab des elterlichen Nests gesichtet wurden, trugen meist längere Versionen von ADCYAP1 und kürzere von CREB1.

„Dank der Hilfe vieler Hobbyornithologen wurden mittlerweile genügend Meldungen gesammelt, um erste Schlüsse ziehen zu können“, freut sich Chakarov. Der Forscher und seine Kollegen wollen künftig untersuchen, ob und wie die Uhr-Gene den Bussarden helfen, sich an wechselnde Umweltbedingungen anzupassen.

Forschung: Nayden Chakarov, Rudy M. Jonker, Martina Boerner, Joseph I. Hoffman und Oliver Krüger, Lehrstuhl Verhaltensforschung, Fakultät für Biologie, Universität Bielefeld

Veröffentlichung Molecular Ecology, 22: 5430–40, DOI 10.1111/mec.12493

WWW:
Projekt Greifvögel und Eulen, Uni Bielefeld
Mäusebussard
Mikrosatellit

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein Gen für Wandervögel

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