Posted in: Kurzmeldungen 17. Oktober 2013 14:02 Weiter lesen →

Kurzmeldungen am Donnerstag, 17.10.2013

Der Klimawandel treibt den Atlantischen Kabeljau nach Norden. Der Dallasaurus war möglicherweise dreimal so groß wie bisher geschätzt. Und im kalifornischen Yosemite-Nationalpark haben Biologen Hunderte dort nicht vermutete Flechtenarten entdeckt.

Alfred-Wegener-Forschungsschiff Der Atlantische Kabeljau ist im Zuge des Klimawandels so weit Richtung Norden gewandert, dass er inzwischen sogar in den Gewässern Spitzbergens in großen Mengen vorkommt. Das berichten Biologen des Alfred-Wegener-Institutes nach einer Expedition in die Arktis. Eigentlich wollten sie dort Polardorsche fangen. Doch als ihr Schiff sein Zielgebiet erreichte, zeigte das Thermometer eine Wassertemperatur von 4,5 Grad Celsius an – viel zu warm für den Polardorsch, der Temperaturen um 0 Grad Celsius bevorzugt.
„Diese warmen Wassermassen stammen aus dem Atlantik und überlagern in den Sommermonaten die kalten arktischen Wassermassen aus der Barentssee in den Fjorden“, sagt Felix Mark, Biologe am Alfred-Wegener-Institut. Dadurch findet jetzt der Atlantische Kabeljau optimale Lebensbedingungen vor. „Wir gehen davon aus, dass diese Art, die einst auch in der Nordsee heimisch war, schon jetzt das wärmere Oberflächenwasser rund um Spitzbergen dominiert“, sagt Mark.
Unklar ist noch, in welchem Ausmaß der Atlantische Kabeljau und der Polardorsch in einem Konkurrenzkampf zueinander stehen und inwiefern die zunehmende Ozeanversauerung die Beutetiere der Fische beeinflusst.
(Foto: Das Forschungsschiff Heincke; Quelle: Alfred-Wegener-Institut)

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Der Dallasaurus war möglicherweise dreimal so groß wie bisher gedacht. Darauf deuten Knochenuntersuchungen durch ein internationales Forscherteam hin. Demnach könnten die heute bekannten drei Fossilfunde (alle aus dem texanischen Dallas County) sämtlich von ein- bis zweijährigen Jungtieren stammen. Bislang galt Dallasaurus mit 1,5 Metern Länge als einer der kleinsten Wassersaurier. Ausgewachsen könnte er aber tatsächlich eine Länge von vier bis sechs Metern erreicht haben.
„Die Mikrostruktur ihrer Knochen spricht dafür, dass die bislang gefundenen Dallasaurier Jungtiere waren“, sagt die an der Untersuchung beteiligte Forscherin Alexandra Houssaye von der Universität Bonn. „Die fossilen Knochen befinden sich wahrscheinlich in ihrem zweiten Wachstumszyklus. Wenn diese Interpretation stimmt, waren die Tiere bei ihrem Tod also erst zwei Jahre alt.“ Ihre These stellen die Forscher in einer Online-Veröffentlichung in PLOS ONE vor.
Dallasaurus verfügte über einen äußerst ungewöhnlichen Knochenmix: Seine Rippen und Oberschenkelknochen waren im Zentrum hohl und damit ähnlich gebaut wie die heutiger Landlebewesen. Seine Wirbel waren dagegen wie ein Schwamm von vielen kleinen Höhlungen durchsetzt – diese spongöse Knochenform ist für Wasserbewohner typisch.
Dallasaurus gehört zur Gruppe der Mosasaurier, die vor 98 bis 66 Millionen Jahren lebten. Viele von ihnen waren gefährliche Räuber. Mosasaurier waren Wasserbewohner; sie stammen aber von landlebenden Vorfahren ab.
(Grafik: Southern Methodist University)

Flechte_Letharia-columbiana Hunderte Arten von Flechten lebten bislang unerkannt im Yosemite-Nationalpark im westlichen Teil der Sierra Nevada in Kalifornien. Ein internationales Team von Wissenschaftlern konnte zusätzlich zu den 101 bereits erfassten Arten 461 bisher dort nicht bekannte Flechten und 22 flechtenparasitische Pilze dokumentieren. (Veröffentlichung in North American Fungi 8(11): 1-47, Studie als PDF-Datei)
„Viele Flechten sind sehr unauffällig. Man findet sie praktisch nur, wenn man genau weiß, wo man suchen muss“, sagt der am Projekt beteiligte Biologe Christian Printzen von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.
Flechten sind symbiotische Lebensgemeinschaften zwischen einem Pilz und einem oder mehreren Partnern, nämlich Grünalgen oder Cyanobakterien. Sie bieten Lebensraum für Kleinstlebewesen, dienen als Nahrungsquelle für Schnecken und schützen Böden vor Abtragung. Zudem sind sie maßgeblich am Stickstoff- und Kohlenstoffkreislauf der Erde beteiligt und reagieren sehr sensibel auf Luftschadstoffe.
„Die größte Bedrohung für Flechten ist die Landnutzung durch den Menschen“, sagt Printzen und hält etwa ein Drittel der knapp 2000 bekannten Flechtenarten in Deutschland für gefährdet. „Das Beispiel Yosemite zeigt, wie viel wir selbst in ansonsten hervorragend erforschten Gebieten noch über unauffälligere Organismen lernen müssen und wie groß die Gefahr ist, dass durch menschgemachte Umweltveränderungen Arten aussterben, die noch gar nicht bekannt oder beschrieben sind.“
(Foto: Letharia columbiana, Quelle: Ch. Printzen/Senkenberg)

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