Posted in: Medizin 16. Oktober 2013 00:30 Weiter lesen →

Prionen auch bei vielen gesunden Briten

Mikroskopischer Schnitt durch blassrosa angefärbtes Hirngewebe mit zahlreichen Hohlräumen, dunkelvioletten Zellkernen, Proteinklumpen In den 90er-Jahren trat in Großbritannien eine neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit auf, die als das menschliche Gegenstück zum „Rinderwahn“ BSE gilt. Auch heute noch finden sich die verantwortlichen Prionen in der Bevölkerung, bestätigt eine groß angelegte Untersuchung britischer Forscher. Obwohl es in den letzten Jahren keine neuen Erkrankungsfälle mehr gegeben hat, trägt demnach 1 von 2.000 Briten abnorm gefaltete Prionproteine in sich.

Mikroskopischer Schnitt durch das Gehirngewebe eines vCJD-Patienten. Bild: CDC/Teresa Hammett; Sherif Zaki, MD, PhD, und Wun-Ju Shieh, MD, PhD, MPH

Dieses Resultat spiegle vermutlich den Verzehr kontaminierten Fleischs durch große Teile der Bevölkerung in den 80er- und 90er-Jahren wider, erläutern die Forscher um Noel Gill von der Gesundheitsbehörde Public Health England und Sebastian Brandner vom University College London. Obgleich die positiv getesteten Personen selbst keine Symptome der Prionenerkrankung aufgewiesen hätten, ergäben sich aus den neuen Zahlen „wichtige Konsequenzen für den Umgang mit Blut und Blutprodukten und für die Handhabung von chirurgischen Instrumenten“, schreibt die Gruppe im „British Medical Journal“.

Bis heute sind weltweit 229 Fälle der neuen Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) bekannt geworden, 177 davon allein in Großbritannien. Ausgelöst wird die tödlich verlaufende Erkrankung des Zentralnervensystems durch Prionproteine, die eine abnorme Faltung angenommen haben und diese auch anderen Proteinen aufzwingen können.

Um mehr über die Verbreitung solcher Prionen zu erfahren, untersuchten die Forscher 32.441 Proben von Blinddarmgewebe, das in den Jahren 2000 bis 2012 entfernt und konserviert worden war. In 16 Proben konnten sie in dem an Lymphfollikeln reichen Gewebe Prionen nachweisen – entsprechend einer Zahl von 493 Prionträgern pro 1 Million Einwohner.

Die bisherigen vCJK-Erkrankten hatten von ihren Eltern fast ausschließlich die gleiche Variante des Prionprotein-Gens geerbt. Diese M-Variante trägt an einer bestimmten Stelle die Information für die Aminosäure Methionin. Daher war vermutet worden, eine andere, seltenere Variante mit der Information für die Aminosäure Valin könnte einen gewissen Schutz mit sich bringen. Gill, Brandner und Kollegen fanden diese V-Variante nun bei der Hälfte der positiv getesteten Fälle zumindest in einfacher Ausführung. Damit stelle sich die Frage, ob solche Personen „davor geschützt sind, an vCJD zu erkranken, oder ob sie schließlich doch die klinischen Symptome entwickeln“, so die Forscher.

Forschung: O. Noel Gill, HIV and STI Department und CJD Section, National Centre for Infectious Disease Surveillance and Control, Public Health England, London; Sebastian Brandner, MRC Prion Unit und Department of Neurodegenerative Disease, Institute of Neurology, University College London; und andere

Veröffentlichung BMJ, 347:f5675, DOI 10.1136/bmj.f5675

WWW:
MRC Prion Unit, University College London
Public Health England
Fragen zur Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Variant CJD Cases UK and Worldwide
Prions

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Keine unbedenkliche Dosis bei Prionen
Zweifel an genetischem „Schutz“ vor vCJD

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