Posted in: Chemie, Paläontologie 14. Oktober 2013 21:00 Weiter lesen →

Forscher finden fossilen Blutsauger

Makroaufnahme zeigt Stechmücke, saugend auf behaarter menschlicher Haut, mit prall gefülltem, rot verfärbtem Hinterleib Schon vor 46 Millionen Jahren stand Mücken der Sinn nach Blut. Einen handfesten Beleg für diese Ansicht haben amerikanische und europäische Forscher gefunden. Im Hinterleib eines versteinerten Mückenweibchens konnten sie nicht nur große Mengen von Eisen nachweisen, sondern passend dazu auch Bruchstücke des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin.

Die fossile Blutsaugerin gehört vermutlich zur gleichen Gattung wie ihre moderne Verwandte Culiseta annulata. Foto: Szabi237 via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

„Obgleich heutzutage etwa 14.000 Insektenarten Blut saugen, ist dieses Verhalten im Fossilbericht nur äußerst spärlich überliefert“, schreiben die Forscher um Dale Greenwalt vom Nationalen Naturkundemuseum in Washington in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Insbesondere sei noch kein Fossil einer mit Blut gefüllten Stechmücke entdeckt worden, „ganz im Gegensatz zu der verbreiteten, aber falschen Vorstellung von vollgefressenen Moskitos in Bernstein und daraus gewonnener Dinosaurier-DNA“.

Das nun von Greenwalt und Kollegen studierte Fossil fand sich nicht etwa in versteinertem Baumharz, sondern in Schiefer aus dem Sediment eines urzeitlichen Gewässers im heutigen US-Bundesstaat Montana. Neben zahllosen weiteren Insekten entdeckten die Forscher eine Stechmücke mit einem prall gefüllten Hinterleib und einfach gebauten Fühlern, wie sie typisch für weibliche Tiere sind.

Eine spektroskopische Analyse mit Röntgenstrahlung ergab, dass der Hinterleib des Exemplars fast 9 Gewichtsprozent Eisen enthält. Das umgebende Gestein bringt es dagegen auf kaum 2,5 Prozent, während sich für den Brustkorb des Tieres und für den Hinterleib eines männlichen Artgenossen kaum mehr als 1 Prozent ergaben. Versuchsweise beschossen die Forscher das Fossil mit einem feinen Ionenstrahl und bestimmten die Masse der dadurch herausgeschlagenen Moleküle und Molekülbruchstücke. Tatsächlich fanden sich – wiederum ausschließlich im Hinterleib des Weibchens – typische Fragmente des Häms, eines Bestandteils des roten Blutfarbstoffs.

Offenbar habe man es mit einem ganz besonderen Fossil zu tun, folgern Greenwalt und Kollegen: „Das Insekt musste erst eine Blutmahlzeit zu sich nehmen, dann auf die Oberfläche eines Tümpels oder ähnlichen Stehgewässers geweht werden, darin zum Grund sinken und schnell in feinkörniges und sauerstoffarmes Sediment eingebettet werden, ohne dass sein prall mit Blut gefüllter Hinterleib beschädigt wurde.“ Ein Szenario wie im Film „Jurassic Park“ werde durch den neuen Fund jedoch nicht wahrscheinlicher, betonen die Forscher. DNA-Moleküle seien schlicht zu groß und zu fragil, um die Versteinerung zu überstehen.

Forschung: Dale E. Greenwalt und Yulia S. Goreva, Department of Paleobiology und Department of Mineral Sciences, National Museum of Natural History, Washington, D. C.; Ralph E. Harbach, Department of Life Sciences, Natural History Museum, London; und andere

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1310885110

WWW:
Paleobiology, National Museum of Natural History, Washington
Mosquito Research, National History Museum, London
Hämatophagie
Eisen und Hämoglobin

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