Posted in: Biologie, Psychologie 2. Oktober 2013 19:00 Weiter lesen →

Mäuse: Tränen törnen ab

Foto zeigt 2 Mäuse, eine dunkle und eine weiße, eng nebeneinander Junge Mäuse halten sich sexuell aktive Männchen mit einem eigens produzierten Signalstoff vom Leib. Das berichten amerikanische, deutsche und japanische Forscher im Magazin „Nature“. Die Substanz wird mit der Tränenflüssigkeit abgegeben und nimmt den Männchen die Lust, eine Paarung überhaupt nur zu versuchen.

Foto: Bill Branson, National Institutes of Health, Bethesda, MD

„Bei Mäusen wird das Sozialverhalten durch Pheromone gesteuert – chemische Signale, die Informationen zu Alter, Geschlecht und körperlichem Zustand vermitteln“, schreiben die Forscher um Stephen Liberles von der Harvard-Universität und Marc Spehr von der RWTH Aachen. Der nun entdeckte Signalstoff werde sowohl von weiblichen als auch von männlichen Mäusen bis zum Eintritt der Pubertät gebildet und weise sie offenbar als nicht geschlechtsreif aus.

Die Forscher kamen dem Signalstoff bei der systematischen Fahndung nach Pheromon-Genen auf die Spur. Unter anderem fanden sie ein Gen, das in den Tränendrüsen junger Mäuse sehr rege abgelesen wird, dessen Aktivität nach den ersten 3 Lebenswochen jedoch stark zurückgeht. Entsprechend findet sich das zugehörige Protein, bezeichnet als ESP22 (Exocrine-gland Secreting Peptide 22), in der Tränenflüssigkeit jugendlicher Mäuse in mindestens 100-mal höherer Konzentration als in der von älteren Mäusen.

Seine Wirkung entfaltet der Signalstoff, wenn er in das Jacobson-Organ am Boden der Nasenhöhle gelangt, ergaben weitere Untersuchungen. Er aktiviert die dort liegenden Sinneszellen, die daraufhin Nervensignale an die Mandelkerne des Großhirns senden. Ältere Mäuse, bei denen dieser Signalweg nicht funktionierte, versuchten immer wieder, noch nicht geschlechtsreife Weibchen zu begatten. Wurden umgekehrt empfängnisbereite Weibchen mit dem Signalstoff bepinselt, verloren die Männchen das Interesse an ihnen.

Forschung: David M. Ferrero und Stephen D. Liberles, Department of Cell Biology, Harvard Medical School, Boston; Lisa M. Möller und Marc Spehr, Lehrstuhl für Zoologie und Tierphysiologie, Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule, Aachen; Kazushige Touhara, Department of Applied Biological Chemistry, University of Tokyo, und Japan Science and Technolog Agency, Tokyo; und andere

Veröffentlichung Nature, 2. Oktober 2013, DOI 10.1038/nature12579

WWW:
Liberles Lab, Harvard Medical School
AG Chemosensorik, RWTH Aachen
ERATO Touhara Chemosensory Signal Project
Pheromones in Mammals
Jacobson-Organ

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Riechen, was krank macht
Männer riechen Eisprung

Posted in: Biologie, Psychologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (6 Bewertungen, im Schnitt 5,00 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.