Posted in: Chemie, Medizin 18. September 2013 16:17 Weiter lesen →

Baum produziert „synthetisches“ Schmerzmittel

Foto zeigt pfirsichgroße rote Frucht neben weiß gefiederter, unreifer Frucht an breitblättrigem Baum Ein vermeintlich nur künstlich hergestelltes Schmerzmittel wird auch in der Natur gebildet. Das haben französische und kamerunische Forscher entdeckt. Die Wurzeln eines in Afrika als Heilpflanze genutzten Baums enthalten demnach beträchtliche Mengen der Verbindung Tramadol.

Nauclea latifolia (syn. Sarcocephalus latifolius) wird mitunter auch als Guineapfirsich oder Afrikanischer Pfirsich bezeichnet. Foto: Marco Schmidt via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Aus 1 Kilogramm getrockneter Wurzelrinde des Baums Nauclea latifolia lassen sich bis zu 10 Gramm Tramadol extrahieren, fanden die Wissenschaftler um Ahcène Boumendjel und Michel De Waard von der Universität Grenoble. Das Opioid sei damit einer der wenigen bekannten Arzneimittelwirkstoffe, der bereits in der Natur in klinisch relevanten Konzentrationen vorkomme, schreibt die Gruppe im Fachblatt „Angewandte Chemie International Edition“.

Tramadol wird seit Ende der 70er-Jahre pharmazeutisch als Schmerzmittel vermarktet. Ungleich älter ist dagegen die traditionelle medizinische Nutzung von Nauclea latifolia in West- und Zentralafrika. Zerkaut oder zu einem Trank verarbeitet, werden die Wurzeln des immergrünen Baums dort gegen Bauchschmerzen, Durchfall und Fieber eingesetzt.

Boumendjel, De Waard und Kollegen wollten nun herausfinden, welcher Inhaltsstoff für die belegt schmerzstillende Wirkung der Baumwurzel verantwortlich ist. Die Forscher unterteilten einen Wurzelextrakt per Chromatografie zunächst in viele Fraktionen, die Verbindungen mit ähnlichen chemisch-physikalischen Eigenschaften enthielten. In den schmerzstillend wirkenden Fraktionen konnten sie dann per Massenspektrometrie und Kernspinspektroskopie das Tramadol als verantwortlichen Inhaltsstoff nachweisen.

Forschung: Ahcène Boumendjel, Germain Sotoing Taïwe und Michel De Waard, Unité CNRS 5063, Département de Pharmacochimie Moléculaire, und Unité Inserm U836, LabEx Ion Channels Science and Therapeutics, Institut de Neurosciences, Université Joseph Fourier, Grenoble und La Tronche, und Department of Zoology and Animal Physiology, University of Buea; und andere

Veröffentlichung Angewandte Chemie International Edition, DOI 10.1002/anie.201305697

WWW:
Pharmacochimie de Substances d’Origine Naturelle, Ahcène Boumendjel
Institut de Neurosciences, UJF Grenoble
Pêcher africain
Tramadol

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