Posted in: Anthropologie, Geologie 12. September 2013 09:49 Weiter lesen →

Grüne Routen durch die Sahara

Grafik zeigt die Topographie Libyens mit den beiden östlichen Flusssystemen Vor etwas mehr als 100.000 Jahren tauchten erstmals moderne Menschen im Nahen Osten und im nordwestlichen Afrika auf. Diese frühen Wanderer waren vielleicht entlang grüner Korridore durch die Sahara gezogen, lässt eine Studie englischer und deutscher Wissenschaftler vermuten. Ihren Modellrechnungen zufolge, könnten sich zu jener Zeit mehrere große Flusssysteme durch Nordafrika gezogen haben.

Die beiden östlichen Flusssysteme, gespeist aus dem Tibesti, bilden vor dem Einmünden in die Große Syrte eine Seen- und Lagunenlandschaft. Grüne Kreise markieren altsteinzeitliche Fundstätten. Grafik: Coulthard et al. (2013). PLoS ONE 8(9): e74834. doi:10.1371/journal.pone.0074834

Entlang dieser Flüsse hätten Menschen aus südlicheren Regionen Afrikas leicht an die Mittelmeerküste gelangen können, erläutern die Forscher um Tim Coulthard von der Universität Hull und Tim Brücher vom Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie im Fachblatt „PLoS ONE“. Die Resultate der Forscher stehen im Einklang mit jüngeren Studien, denen zufolge Nordafrika insgesamt – nicht nur das Niltal – eine wichtige Zwischenstation bei der Ausbreitung des Homo sapiens gewesen sein könnte.

Wo sich heute die Sahara erstreckt, gab es in der Vergangenheit mehrmals Seen und eine üppige Vegetation, so auch vor etwa 125.000 Jahren in der Eem-Warmzeit vor der jüngsten Eiszeit. Damals war der afrikanische Monsun vermutlich um mehrere Hundert Kilometer nach Norden verschoben und erfasste daher auch die großen Gebirgszüge im Herzen der heutigen Sahara. Coulthard, Brücher und Kollegen untersuchten nun, auf welchen Wegen das Regenwasser von den nördlichen Hängen dieser Berge abfloss.

Schattierte Topographie Algeriens, Tunesiens und Lybiens mit dem Verlauf des westlichen Flusssystems Das westliche Flusssystem, gespeist aus dem Ahaggar, endet im Becken des Schott Melghir. Grüne Kreise markieren altsteinzeitliche Fundstätten. Grafik: Coulthard et al. (2013). PLoS ONE 8(9): e74834. doi:10.1371/journal.pone.0074834

Die Forscher speisten Niederschlagsdaten aus einem umfassenden Modell des warmzeitlichen Klimas in ein hydrologisches Modell ein, um die Abflusswege und Abflussmengen in einem 12 Millionen Quadratkilometer großen Gebiet zu studieren. Das Niederschlagswasser dürfte demnach drei große Flusssysteme gespeist haben. Eines erstreckte sich vom Ahaggar-Gebirge im Süden Algeriens geradewegs nach Norden, um dort in der Senke des Schott Melghir, eines immer wieder austrocknenden Sees, zu enden. Die beiden anderen Systeme entsprangen fast 2.000 Kilometer weiter östlich im Tibesti-Gebirge zwischen Libyen und dem Tschad. Sie erstreckten sich bis in den Nordosten Libyens und vereinten sich dort in einem ausgedehnten Seen- und Lagunengebiet, das schließlich in die Große Syrte mündete.

Alle drei Flusssysteme dürften zumindest mehrere Monate im Jahr Wasser geführt haben, ergaben die Modellrechnungen. Daher könnten sich an ihren Ufern viele Kilometer breite und dauerhaft grüne Vegetationsstreifen gebildet haben, folgern Coulthard, Brücher und Kollegen. „Wir können zwar nicht mit Sicherheit sagen, dass Menschen entlang dieser Flüsse wanderten“, so die Forscher. Falls jedoch Menschen auf ihrem Weg von Süden nach Norden die Region zwischen Ahaggar und Tibesti passiert hätten, „so wären sie von dort entlang dreier klar definierter Routen geleitet worden“.

Forschung: Tom J. Coulthard, Department of Geography, Environment and Earth Sciences, University of Hull; Tim Brücher, Max-Planck-Institut für Meteorologie, Hamburg; und andere

Veröffentlichung PLoS ONE, 8(9): e74834, DOI 10.1371/journal.pone.0074834

WWW:
Geography, Environment and Earth Sciences, University of Hull
Homepage Tom Coulthard
Max-Planck-Institut für Meteorologie
Topography of the Sahara
The First Migrations Out of Africa

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein früher Schlenker
Sahara: Grundwasser wird neugebildet
Altes Seebecken in der Sahara entdeckt

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