Posted in: Biologie 14. August 2013 12:37 Weiter lesen →

Pflanze geht auf Nummer sicher

2 Fotos zeigen dünnen gelben Stempel mit 2 Verdickungen zwischen Staubblättern, gelbe Blüten Wenn die Bestäuber ausbleiben, stehen viele Pflanzen vor einem Problem. Nicht so ein Enziangewächs im südlichen Afrika, haben zwei Botaniker aus der Schweiz und aus Kanada ermittelt. Die Pflanze bildet in ihren Blüten zunächst eine Narbe als Empfangsstation für fremden Blütenstaub, der von Insekten herangeschafft wird. Wird diese Narbe nicht bestäubt, reift einige Tage später eine zweite heran, die auf den eigenen Pollen spezialisiert ist.

Bild: Université de Neuchâtel

Auf diese einzigartige Weise könne die goldgelb blühende Sebaea aurea die genetischen Vorteile der Fremdbestäubung auskosten, erläutern Jonathan Kissling von der Universität Neuenburg (Neuchâtel) und Spencer Barrett von der Universität Toronto. Gleichzeitig stelle sie aber sicher, dass unter widrigen Bedingungen zumindest noch eine Selbstbestäubung und damit in jedem Fall eine Samenproduktion stattfinde, schreiben die Forscher im Fachblatt „Biology Letters“.

Viele Pflanzen vermeiden eine Selbstbestäubung und maximieren so die genetische Vielfalt ihrer Nachkommen. Andere lassen dagegen eine Selbstbestäubung zu oder betreiben diese regelrecht und können sich so neu entstandene Lebensräume erschließen. Auch Sebaea aurea gehört zu diesen Pionieren: Sie erobert Brandflächen und kann dort rasch große Bestandsdichten erreichen. Binnen weniger Jahre wird das lichthungrige Gewächs dann allerdings durch andere Pflanzen verdrängt.

Raster-EM-Bild zeigt Stempel mit 2 geschwollenen Narben Bild: Université de Neuchâtel

Bereits vor einigen Jahren war Kissling und Barrett aufgefallen, dass Sebaea als einzige bekannte Pflanzengattung gleich zwei Narben bildet, auf denen Pollenkörner landen, auskeimen und so die Eizellen befruchten können. Eine dieser Narben befindet wie üblich an der Spitze des weiblichen Blütenstempels, sodass sie leicht Pollen von blütenbesuchenden Insekten übernehmen kann. Die andere Narbe sitzt dagegen deutlich tiefer und damit in einer guten Position, um herabfallenden Blütenstaub aus den eigenen Staubblättern aufzufangen. Sie erreicht ihre volle Größe erst, wenn die obere Narbe unbestäubt bleibt oder beschädigt wird.

Kissling und Barrett testeten nun die Funktionsweise dieses 2-Narben-Systems mit umfangreichen Feldversuchen und genetischen Untersuchungen. Hüllten sie einige Pflanzen ein, um Bestäuber abzuhalten, so bildeten diese dennoch zahlreiche Samen. Entfernten sie stattdessen die männlichen Staubblätter aus den Blüten, so hatte dies in größeren Beständen keinerlei Einfluss auf die Samenproduktion. Anders dagegen in kleinen Beständen und bei Pflanzen, bei denen die obere Narbe entfernt worden war. Hier halbierte sich die Samenproduktion und die genetische Vielfalt der Samen sank deutlich.

Sowohl die Fremdbestäubung als auch die Selbstbestäubung als Reservesystem sind bei Sebaea aurea voll funktionsfähig, folgern die beiden Forscher. Beide Mechanismen kommen demnach je nach Angebot an Bestäubern und Fremdpollen im unterschiedlichen Maß zum Tragen. Zwar sei die Selbstbestäubung erwartungsgemäß weniger produktiv und genetisch weniger günstig. Immerhin stelle sie aber die Bildung keimfähiger Samen und damit das Wachstum der nächsten Pflanzengeneration sicher.

Forschung: Jonathan Kissling, Institut de biologie, Université de Neuchâtel, und Département d’écologie et évolution, Université de Lausanne; Spencer C. H. Barrett, Department of Ecology and Evolutionary Biology, University of Toronto

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2013.0495

WWW:
Evolutionary Botany Lab, Université de Neuchâtel
Barrett Lab, University of Toronto
Blüte
Sebaea aurea
Fynbos and Fire

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Von den Vorzügen der Selbstbegattung
Orchidee begattet sich selbst

Posted in: Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (3 Bewertungen, im Schnitt 4,67 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.