Posted in: Medizin 7. August 2013 01:01 Weiter lesen →

Nachwuchs hält sich selten an Termine

Ultraschallbild eines Fötus, die Hand ans Kinn gelegt Die Schwangerschaftsdauer variiert beim Menschen stärker als bei den meisten anderen Säugetieren. Das demonstriert eine kleine Studie amerikanischer Mediziner, bei der die Länge von 102 Schwangerschaften erstmals auf den Tag genau bestimmt werden konnte. Von der Befruchtung bis zur Geburt vergehen demnach im Mittel 38 Wochen und 2 Tage – mit einer Variationsbreite von 37 Tagen.

Bild: Zátonyi Sándor (Fizped) via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Aus gutem Grund nennen Frauenärzte nicht nur den rechnerischen Geburtstermin, sondern weisen auch auf eine mögliche Verschiebung um einige Wochen hin. „Ein Teil dieser Schwankungsbreite ist immer auf Unsicherheiten bei der Ermittlung des Schwangerschaftsbeginns zurückgeführt worden“, erklärt Anne Marie Jukic von den US-amerikanischen National Institutes of Health in Durham. Nun zeige sich auch bei präziser Bestimmung noch eine Spannbreite von mehr als 5 Wochen. „Für uns war das durchaus eine Überraschung“, so die Wissenschaftlerin.

Jukic und Kollegen analysierten Daten aus einer Studie, die in den 80er-Jahren im US-Bundesstaat North Carolina durchgeführt worden war. Alle 221 Teilnehmerinnen mit Kinderwunsch wurden vom Absetzen ihres Verhütungsmittels an 6 Monate lang oder aber bis in die 8. Schwangerschaftswoche verfolgt. In dieser Zeit gaben sie täglich eine Probe ihres Morgenurins ab, der auf die Konzentration von Östrogenen, Progesteron und Choriongonadotropin hin analysiert wurde. Anhand sich plötzlich verändernder Messwerte bestimmten die Forscher, wann ein Eisprung stattfand und wann sich eine befruchtete Eizelle in der Gebärmutter einnistete.

Eine Befragung im Jahr 2010 ergänzte diese Daten, sodass für 102 Schwangerschaften präzise Angaben zu Dauer und Verlauf vorlagen. Weitere 27 Schwangerschaften mit unvollständigen Daten bezogen die Wissenschaftler anhand statistischer Abschätzungen in ihre Auswertung mit ein.

Insgesamt dauert eine Schwangerschaft bei älteren Frauen und bei solchen, die selbst ein hohes Geburtsgewicht aufgewiesen hatten, einige Tage länger, berichten Jukic und Kollegen im Fachblatt „Human Reproduction“. Auch scheinen sich manche Frauen generell etwas mehr Zeit zu lassen als andere, ergab die Befragung von Müttern mehrerer Kinder.

Darüber hinaus zuletzt lassen bereits die Vorgänge in den ersten Tagen nach der Befruchtung den Takt der weiteren Schwangerschaft erahnen: Je länger es vom Eisprung bis zur Einnistung und weiter bis zum Einsetzen der Progesteronbildung durch den Gelbkörper dauert, umso länger dauert es demnach auch bis zur Geburt. „Faszinierenderweise sind also Vorgänge in der frühesten Phase der Schwangerschaft – Wochen, bevor eine Frau überhaupt weiß, dass sie schwanger ist – mit dem Zeitpunkt der Geburt Monate später verknüpft“, so Jukic.

Forschung: Anne Marie Jukic und Allen J. Wilcox, Epidemiology Branch, National Institute of Environmental Health Sciences, National Institute of Health, Durham; und andere

Veröffentlichung Human Reproduction, DOI 10.1093/humrep/det297

WWW:
Reproductive Epidemiology Group, NIH-NIEHS
Schwangerschaftsdauer und Geburtstermin
Schwangerschaftshormone

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