Posted in: Geologie, Paläontologie 1. August 2013 16:36 Weiter lesen →

Fossiles aus dem Wal-Darm

Foto zeigt große Fluke eines abtauchenden Wals über der Meeresoberfläche Ambra aus dem Gedärm von Pottwalen wurde früher zur Herstellung edler Parfums benutzt und erzielt auch heute noch hohe Preise. Italienische Forscherinnen haben nun möglicherweise eine fossilisierte Form dieses kostbaren Stoffs entdeckt. In rund 1,75 Millionen Jahre alten Ablagerungen in Mittelitalien fanden sie Versteinerungen, die die passende Struktur und Zusammensetzung aufweisen.

Foto: Pulv via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Die fladen- bis knollenförmigen Gebilde enthalten neben mehr oder weniger stark homogenisierter organischer Masse auch klar erkennbare Schnäbel von Tintenfischen, der Leibspeise von Pottwalen, berichten Angela Baldanza von der Universität Perugia und ihre Kolleginnen im Fachblatt „Geology“. Daher handle es sich bei den Fossilien mit hoher Wahrscheinlichkeit um die ersten bekannten Exemplare von Pottwal-Koprolithen aus dem Pleistozän.

Ambra dient Pottwalen vermutlich dazu, um unverdauliche Schnäbel von Kalmaren einzubetten und so Verletzungen des Magen-Darm-Trakts vorzubeugen. Erbrochen oder über den After ausgeschieden, hat es zunächst einen entsprechend unangenehmen Geruch. Erst unter der Einwirkung von Salzwasser, Sauerstoff und Sonnenstrahlung verwandeln sich die mitunter zentnerschweren Klumpen allmählich in eine wohlriechende Kostbarkeit.

Baldanza und Kolleginnen fanden die mutmaßliche versteinerte Ambra im Westen Umbriens. Die Region lag im Altpleistozän zeitweise im bzw. direkt am Meer, entsprechend gibt es dort Ablagerungen aus großen Flussmündungen und dem Meer selbst. Bei der Untersuchung solcher marinen Sedimente stießen die Forscherinnen auf einer kleinen Fläche auf mehr als 25 mutmaßliche Koprolithen mit Durchmessern von bis zu 1,2 Metern. Die chemische Analyse offenbarte neben Cholsäure als einem Hauptbestandteil von Galle auch verschiedene freie Aminosäuren als wahrscheinliche Produkte der Proteinverdauung und stützt damit die Hypothese von den versteinerten Wal-Ausscheidungen.

Forschung: Angela Baldanza, Roberto Bizzarri und Paola Sassi, Dipartimento di Scienze della Terra und Dipartimento di Chimica, Biologia e Biotecnologie, Università degli Studi di Perugia; und andere

Veröffentlichung Geology, DOI 10.1130/G34731.1

WWW:
Geologia e Paleontologia, Università di Perugia
Ambergris

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