Posted in: Biologie, Physik 31. Juli 2013 08:42 Weiter lesen →

Saftsauger im Schutzanzug

REM-Aufnahme zeigt Partikel mit Rippenstruktur aus 5- und 6-Ecken, ähnlich der eines Fußballs Unter Bäumen geparkte Autos sind mitunter nach kurzer Zeit mit klebrigem Honigtau bedeckt. Auf welche Weise sich die Produzenten dieser Flüssigkeit selbst vor dem Verkleben schützen, hat ein russisch-deutsches Forscherduo erstmals demonstrieren können. Winzige Proteinpartikel, mit denen sich Zwergzikaden regelrecht einpudern, lassen die zuckrige Flüssigkeit demnach einfach abperlen.

REM-Aufnahme: Roman Rakitov via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0)

Für das Überleben der kleinen, zarten Insekten ist dieser Effekt von größter Bedeutung, sind Roman Rakitov von der Russischen Akademie der Wissenschaften und Stanislav Gorb von der Universität Kiel überzeugt. „Eine Beschmutzung mit dem eigenen klebrigen Exsudat muss unweigerlich dazu führen, dass das Insekt als Ganzes hängen bleibt oder seine Körperteile miteinander verkleben“, schreiben die Forscher im Fachblatt „Interface“ der Royal Society.

Rakitov und Gorb führten ihre Versuche mit der Gemeinen Erlenblattzikade (Alnetoidia alneti) durch. Das kaum einen halben Millimeter lange Insekt saugt – wie viele andere Insekten – Pflanzensaft und scheidet den Großteil davon gleich wieder in Form von Honigtau-Tröpfchen aus. Zudem produziert das Tier wenige Zehntel Mikrometer große Partikel aus Proteinsekret, die es mit Sorgfalt über seinen gesamten Körper verteilt.

Die beiden Forscher überprüften nun die Vermutung, dass diese extrem wasserabweisenden Brochosomen vor dem klebrigen Pflanzensaft-Exsudat schützen. Dazu platzierten sie Vorder- und Hinterflügel der Zwergzikade unter frischen Ahornzweigen, an denen sich eine ganze Kolonie der Tiere gütlich tat. Zuvor hatten sie von der Hälfte der Flügel die Brochosomen entfernt. Auf diesen entblößten Flügeln fanden sich nach 6 Tagen 152 eingetrocknete Honigtau-Tröpfchen, auf den Flügeln mit Brochosomen dagegen nur 3. Direkt neben diesen Flügeln fanden sich allerdings zahlreiche Abdrücke, die Ketten und Trauben von Brochosomen enthielten.

Offenbar sorge der puderartige Überzug aus Brochosomen dafür, dass herabfallende Honigtau-Tröpfchen von den Flügeln abprallten oder aber herunterrollten, folgern Rakitov und Gorb. Demnach erfüllten die Proteinpartikel eine ganz ähnliche Funktion wie der Wachsfilm auf Blattläusen und anderen Pflanzensaftsaugern. Und vielleicht schützte der Puder ja auch vor aufschlagenden Regentropfen und klebrigen Spinnennetzen.

Forschung: Roman Rakitov, Paläontologisches Institut, Russische Akademie der Wissenschaften, Moskau, und Stanislav N. Gorb, Zoologisches Institut, Christian-Albrechts-Universität Kiel

Veröffentlichung Journal of the Royal Society Interface, DOI 10.1098/rsif.2013.0445

WWW:
Paläontologisches Institut, Russische Akademie der Wissenschaften
Funktionelle Morphologie und Biomechanik, Uni Kiel
Brochosomes
Alnetoidia alneti
Honigtau
Blattläuse: Sauberes Heim dank Wachsnadeln

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Abstand wahren mit Ruß

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