Posted in: Biologie, Psychologie 22. Juli 2013 21:00 Weiter lesen →

Delfine reagieren auf ihren Namen

Foto  zeigt grauen  Delfin, vor einer nahen hügeligen Küste aus dem Wasser springend Nicht nur Menschen, auch Delfine nutzen individuelle Namen für die direkte Kommunikation untereinander. Neue Hinweise, die diese Annahme stützen, liefert eine Studie schottischer Meeresbiologen. Große Tümmler reagieren demnach prompt, wenn sie ihren ganz eigenen Signaturpfiff hören, indem sie mit dem gleichen Pfiff antworten.

Foto: Vincent M. Janik, University of St Andrews

Eine solche Reaktion bleibt dagegen aus, wenn den Tümmlern die Signaturpfiffe fremder Artgenossen vorgespielt werden, beobachteten Stephanie King und Vincent Janik von der Universität St. Andrews. „Diese Resultate lassen darauf schließen, dass der Signaturpfiff bei Tümmlern zum gezielten Ansprechen dienen kann“, folgern die beiden Forscher in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“.

Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist bekannt, dass jeder Große Tümmler (Tursiops truncatus) in jungen Jahren einen individuellen Signaturpfiff entwickelt. Solche Laute mit ihrem charakteristischen Frequenzmuster werden überwiegend von dem jeweiligen Individuum selbst produziert – in freier Wildbahn etwa dann, wenn sich mehrere Delfingruppen im Meer einander nähern. Vergleichsweise selten kommt es aber auch vor, dass ein Großer Tümmler den Signaturpfiff eines vertrauten Artgenossen nachahmt.

King und Janik gingen der Vermutung nach, dass der Signaturpfiff bei solchen Gelegenheiten als gezielte Ansprache dient. Dazu folgten die beiden Forscher Delfingruppen in der Nordsee vor Schottland, nahmen die Laute der Tiere auf und fahndeten noch im Boot nach Signaturpfiffen. War ein solcher Pfiff gefunden, schickten sie eine per Laptop-Computer erzeugte Kopie ins Wasser. Bei 8 von 12 Gelegenheiten antworteten die Tiere, indem sie ebenfalls ihren Signaturpfiff produzierten. Sonstige, häufig in der jeweiligen Gruppe zu hörende Laute riefen nur in 2 von 12 Fällen und fremde Signaturpfiffe – etwa von Artgenossen im Duisburger Zoo – in keinem von 10 Fällen diese Reaktion hervor.

Nach Ansicht von King und Janik ist es sehr gut möglich, dass ein Großer Tümmler einen Signaturpfiff mental mit einem ganz bestimmten Artgenossen in Verbindung bringt und diesen Pfiff entsprechend nutzt. „In Gefangenschaft gehaltene Tümmler sind in der Lage, neue Laute als Bezeichnung für künstliche Objekte zu verwenden“, schreiben die beiden Forscher. „Es ist schwer vorstellbar, dass sie diese Fähigkeit nicht auch in Freiheit nutzen, um Kontakt zu bestimmten Individuen herzustellen.“

Forschung: Stephanie L. King und Vincent M. Janik, Sea Mammal Research Unit, School of Biology, University of St Andrews, St Andrews

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1304459110

WWW:
Sea Mammal Research Unit, University of St Andrews
Großer Tümmler

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Delfine haben Namen

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