Posted in: Ernährung, Medizin 10. Juli 2013 18:39 Weiter lesen →

Kick durch schnelle Kalorien

Nahaufnahme einer Scheibe Brot, großzügig mit sattbrauner Schokocreme bestrichen Kalorien sind bekanntlich nicht gleich Kalorien. Rasch im Blut auftauchende Zucker können sogar ähnlich wie eine Droge wirken, demonstriert eine kleine Studie einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe. Nachdem die Teilnehmer ihren Blutzuckerspiegel mit Maissirup kurzzeitig in die Höhe getrieben hatten, wurde bei ihnen eine Gehirnregion aktiv, die auch an der Entstehung von Suchtverhalten beteiligt ist.

Foto: Cornischong via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Das Wissen um diesen Effekt könnte Übergewichtigen helfen, ihr Essverhalten und damit auch ihr Gewicht besser in den Griff zu bekommen, hofft Belinda Lennerz vom Universitätsklinikum Ulm. „Vermeidet man Lebensmittel mit hohem glykämischen Index, bleiben auch suchtartige Heißhungerattacken weitgehend aus“, erklärt die Medizinerin. „So lässt sich eine Gewichtsreduktion leichter und auch dauerhafter realisieren.“

Lennerz und ihre Kollegen am Boston Children’s Hospital führten ihre Studie mit 12 übergewichtigen Männern durch. Diese tranken bei zwei Laborterminen einen Milchshake, der mal aus vielen Zuckereinheiten bestehende Maisstärke und mal Maissirup – enzymatisch bereits in kleine Zuckereinheiten zerlegte Stärke – enthielt. In ihrem Kaloriengehalt und ihrer weiteren Zusammensetzung, ihrem Geschmack und ihrer Konsistenz waren die Shakes dagegen identisch.

Erwartungsgemäß ließ der Zucker aus dem Sirup-Shake den Blutzuckerspiegel der Teilnehmer schneller ansteigen als der Stärke-Shake, dann aber auch umso rascher und bis in die Unterzuckerung wieder fallen. Passend dazu berichteten die Teilnehmer vier Stunden nach dem Verzehr dieses Shakes über intensivere Hungergefühle. Eine Kernspin-Untersuchung zu diesem Zeitpunkt offenbarte zudem eine stärkere Aktivierung des Nucleus accumbens. Dieser Kern im Zwischenhirn ist Teil des Belohnungssystems und mit dafür verantwortlich, wenn das Verlangen nach einer Belohnung erneut erwacht.

„Über Belohnung und Verlangen hinaus steht dieser Teil des Gehirns auch mit dem Missbrauch und der Abhängigkeit von Drogen in Verbindung“, erklärt Daniel Ludwig, der Leiter der Bostoner Arbeitsgruppe. „Damit stellt sich die Frage, ob bestimmte Lebensmittel nicht auch süchtig machen können.“

Forschung: Belinda S. Lennerz und David S. Ludwig, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Universitätsklinikum Ulm, und Obesity Prevention Center und Division of Endocrinology, Boston Children’s Hospital; und andere

Veröffentlichung American Journal of Clinical Nutrition, September 2013, DOI 10.3945/ajcn.113.064113

WWW:
Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie, Uniklinikum Ulm
Obesity Prevention Center, Boston Children’s Hospital
Glykämischer Index
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