Posted in: Medizin, Psychologie 9. Juli 2013 22:00 Weiter lesen →

Östrogene machen stressfest

Foto zeigt Ratte mit braunem Fell, gehalten von zwei behandschuhten Händen Frauen und Männer können unterschiedlich gut mit Belastungen umgehen. Eine Ursache dafür liegt in den weiblichen Geschlechtshormonen, lassen Versuche amerikanischer Forscherinnen vermuten. Zumindest bei Ratten schützen Östrogene demnach das Gehirn vor Leistungseinbußen, wie sie durch chronischen Stress hervorgerufen werden.

Foto: Bill Branson, NIH/NHGRI

„Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass weibliche Tiere chronischen Stress besser vertragen, und nun kennen wir den Grund dafür“, erklärt Zhen Yan von der Universität Buffalo. Die neuen Resultate demonstrierten, dass Hormone aus der Gruppe der Östrogene, hauptsächlich als prägender Faktor für die weibliche Sexualität bekannt, unmittelbar für die geringere Anfälligkeit für Stressfolgen verantwortlich seien.

Yan und ihre Gruppe führten bei jungen Ratten chronischen Stress herbei, indem sie diese immer wieder für einige Zeit in ein sehr enges Rohr steckten. Nach einer Woche testeten sie die Tiere auf ihre Fähigkeit, sich verschiedene Objekte zu merken. Bei männlichen Ratten zeigte sich eine deutliche Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses, während bei weiblichen Tieren keine Veränderung festzustellen war.

In der Vergangenheit hatten Yan und Kolleginnen zeigen können, dass fortgesetzter Stress bei männlichen Ratten zu Veränderungen in einem Teil des Stirnlappens führt, der an Gedächtnisleistungen beteiligt ist. Die Nervenzellen in diesem präfrontalen Kortex bilden als Folge von chronischem Stress geringere Mengen eines Rezeptors, der Signale benachbarter Nervenzellen in Form der Aminosäure Glutaminsäure bzw. Glutamat empfängt.

Versuchsweise wiederholten die Forscherinnen ihre Tests mit weiblichen Ratten, bei denen sie die Produktion bzw. Wirkung von Östrogenen unterdrückt hatten. Tatsächlich beobachteten sie bei diesen Weibchen einen Verlust des Glutamatrezeptors sowie den typisch männlichen Leistungsrückgang. Umgekehrt erwiesen sich männliche Tiere nach Gabe von Östrogenen als stressfest, berichtet die Gruppe im Fachblatt „Molecular Psychiatry“.

Den Ausschlag geben letztlich aber nicht Östrogene, die in den Eierstöcken produziert werden, vermuten Yan und Kolleginnen. Vielmehr scheinen weibliche Ratten im Hirngewebe selbst mehr Östrogene zu bilden als Männchen. Das verantwortliche Enzym, Aromatase, ist im Stirnlappen der Weibchen deutlich aktiver als bei Männchen.

Forschung: Jing Wei, Eunice Y. Yuen und Zhen Yan, Department of Physiology and Biophysics, University of Buffalo, Buffalo; Bruce S. McEwen, Laboratory of Neuroendocrinology, Rockefeller University, New York; und andere

Veröffentlichung Molecular Psychiatry, 9. Juli 2013, DOI 10.1038/mp.2013.83

WWW:
Department of Physiology and Biophysics, University of Buffalo
Stress
Östrogen

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