Posted in: Biologie, Medizin 27. Juni 2013 14:15 Weiter lesen →

Warane jagen ohne bakterielle Hilfe

Foto zeigt großen, kräftigen Waran, auf einem Felsen ruhend, mit langen Krallen, dicht beschuppter Haut Komodowarane sind nicht nur die größten lebenden Echsen, sie haben auch einen äußerst schlechten Ruf. Zumindest mit Blick auf die Jagdtechnik ist dieser Ruf unbegründet, folgern amerikanische und australische Forscher aus einer Untersuchung der Mundflora. Im Maul der Warane finden sich demnach keine Bakterien, die bei einem Biss eine schnelle Blutvergiftung auslösen würden.

Foto: Raul654 via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Lange Zeit sei vermutet worden, zwischen den Zähnen der Warane verwesende Fleischfetzen fungierten als Nährboden für Sepsis-Keime, erläutert Bryan Fry von der University of Queensland. Die neuen Daten sprächen ebenso gegen diese Hypothese wie eine Beobachtung des Verhaltens. Nach dem Fressen verbrächten die Tiere viel Zeit damit, Maul und Gebiss mit der Zunge und durch Reiben an Blättern zu säubern, so der Forscher. „Komodowarane sind tatsächlich sehr reinliche Tiere.“

Bereits vor einigen Jahren hatten Fry und Kollegen zeigen können, dass Komodowarane (Varanus komodensis) in Kieferdrüsen einen Giftcocktail produzieren, der den Tod eines gebissenen Beutetiers beschleunigt. Nun gingen die Forscher Hinweisen auf zusätzliche Jagdhilfe in Form pathogener Bakterien nach. Dazu ließen sie sich Speichel- und Zahnfleischproben von 16 in Zoos gehaltenen Tieren unterschiedlichen Alters schicken. Anhand bakterieller DNA-Sequenzen im Probenmaterial und mithilfe klassischer Kulturen identifizierten sie dann die Mitglieder der Mundflora. Die Resultate: unspektakulär.

Insgesamt konnten die Zoologen und Mikrobiologen 39 aerobe und 21 anaerobe, also in Gegenwart von Sauerstoff gut bzw. schlecht wachsende Bakterienarten nachweisen. In der ersten Gruppe fanden sich hauptsächlich Enterobakterien, Staphylococcus sciuri sowie Enterococcus faecalis. Die zweite Gruppe bestand insbesondere aus Clostridien, berichten die Forscher im „Journal of Zoo and Wildlife Medicine“.

Unter den nachgewiesenen Spezies bzw. Stämmen sei kein besonders aggressiver, Toxine produzierende Krankheitserreger gewesen, so Fry und Kollegen. „Wie bei anderen Fleischfressern spiegelt die Mundflora von in Gefangenschaft lebenden Komodowaranen die Darm- und Hautflora ihrer letzten Mahlzeiten sowie ihre Umgebung wider“, schreiben die Forscher. „Es ist unwahrscheinlich, dass dadurch eine rasch zum Tod führende Infektion hervorgerufen wird.“

Forschung: Ellie J. C. Goldstein, R. M. Alden Research Laboratory, Culver City, und School of Medicine, University of California, Los Angeles; Bryan G. Fry, School of Biological Sciences, University of Queensland, St. Lucia; und andere

Veröffentlichung Journal of Zoo and Wildlife Medicine, Vol. 44(2), pp 262–72, DOI 10.1638/2012-0022R.1

WWW:
R. M. Alden Research Laboratory
Homepage Bryan Fry
Komodowaran

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Der „Feind“ im Innern

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