Posted in: Biologie, Physik 12. Juni 2013 19:42 Weiter lesen →

Bremsen macht Geparden satt

Foto zeigt Seitenansicht eines schlanken Gepards mit typischen dunklen Fellflecken und breitem Sensorkragen im Steppengras Geparden sind die mit Abstand schnellsten Sprinter unter den Landwirbeltieren. Für ihren Erfolg bei der Jagd sind jedoch andere Eigenschaften ausschlaggebend, zeigt eine Studie englischer und botswanischer Forscher. Besonders wichtig ist demnach die Fähigkeit der Tiere, binnen weniger Schritte stark abzubremsen.

Foto: Structure & Motion Lab, RVC

Sein enormes Bremsvermögen und seine gute Bodenhaftung ermöglichten es einem Geparden, sehr enge Kurven zu laufen und den Kontakt zu einer Haken schlagenden Beute nicht zu verlieren, schreiben die Forscher um Alan Wilson vom Royal Veterinary College in Hatfield im Magazin „Nature“. Im Verein mit dem enormen Beschleunigungsvermögen machten ihn diese Eigenschaften zum exzellenten Jäger.

Für ihre Studie sammelten Wilson und Kollegen erstmals Bewegungsdaten von wildlebenden Geparden (Acinonyx jubatus) im Okavango-Delta. Die Forscher legten 5 ausgewachsenen Tieren einen selbst entwickelten Kragen an, der neben einem GPS-Sender auch Beschleunigungssensoren enthielt. Auf diese Weise konnten sie bis zu 300 Mal pro Sekunde die Bewegung der Tiere erfassen.

Bei der Analyse ihrer Daten konnten die Forscher mindestens 367 Jagden identifizieren, von denen jede vierte erfolgreich war. Bei den meist weniger als 200 Meter langen Sprints erreichten die Geparden eine mittlere Höchstgeschwindigkeit von 54 Kilometer pro Stunde (15 Meter pro Sekunde) und blieben meist deutlich unter den oftmals zitierten Maximalwerten von mehr als 100 km/h.

Beeindruckter zeigen sich Wilson und Kollegen von den Beschleunigungswerten. In einem einzigen Schrittzyklus konnten die Geparde ihre Geschwindigkeit um 3 Meter pro Sekunde steigern oder aber um 4 Meter pro Sekunde reduzieren. Nicht einfahrbare Krallen und profilierte Ballen an den Pfoten verleihen ihnen zudem ausgezeichnete Bodenhaftung, sodass sie Kurven mit einer seitlichen Beschleunigung von mehr als 1,3 g laufen konnten.

In der kritischen Phase einer Jagd, wenn die Beute der heranschießenden Katze durch jähe Richtungswechsel zu entkommen suche, mache sich diese Merkmalskombination bezahlt, so die Forscher. Binnen 3 Schrittzyklen könne ein Gepard von knapp 60 auf 14 km/h abbremsen und auf diese Weise seinen Kurvenradius drastisch von 20 auf 1,2 Meter reduzieren. „Maximale Laufgeschwindigkeiten in der Endphase waren kein Merkmal erfolgreicher Jagden“, fassen die Forscher ihre Beobachtungen zusammen. Vielmehr demonstrierten die neuen Messungen den großen Wert des Bremsens.

Forschung: Alan M. Wilson und John C. Lowe, Structure & Motion Laboratory, Royal Veterinary College, University of London, Hatfield; Krystyna Golabek und J. Weldon McNutt, Botswana Predator Conservation Trust, Maun; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 498, 13. Juni 2013, pp 1858–9, DOI 10.1038/nature12295

WWW:
Structure & Motion Laboratory, Royal Veterinary College
Botswana Predator Conservation Trust
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