Posted in: Biologie 11. Juni 2013 15:27 Weiter lesen →

Friedfertige Spinnen-Gesellschaft

Foto zeigt Abendhimmel, darin scheinbar schwebend viele Spinnen, dicke Gerüstfäden erkennbar Nicht alle Spinnen sind sich untereinander spinnefeind, manche Arten leben sogar ausgesprochen gesellig. Das erstaunliche Verhalten einer solchen Spezies haben europäische und brasilianische Forscher im Detail studiert. Die Tiere pflegen demnach einen geradezu respektvoll anmutenden Umgang miteinander – selbst dann, wenn der Platz für den Beutefang knapp wird.

Foto: Tom Wenseleers

Schon Charles Darwin habe sich über das Verhalten der südamerikanischen Spinnenart Parawixia bistriata gewundert, erläutern die Forscher um Tom Wenseleers von der Katholieke Universiteit im belgischen Löwen. Auf Basis der neuen Beobachtungsdaten lasse sich dessen Evolution jedoch mit einer einfachen Kosten-Nutzen-Balance erklären, schreibt die Gruppe im Fachblatt „American Naturalist“.

Parawixia kommt in eher trockenen Gegenden Argentiniens, Brasiliens und Paraguays vor. Bei Sonnenuntergang verlassen mehrere Hundert Tiere ein gemeinschaftliches Nest und schwärmen über Gerüstfäden in die umliegende Vegetation aus. Dort beginnen sie, individuelle Netze für den Beutefang zu spinnen. Am nächsten Morgen verzehren sie diese wieder und kehren in das Gemeinschaftsnest zurück, lediglich die kräftigen Gerüstfäden bleiben erhalten und werden laufend verstärkt.

Nur in der Phase des individuellen Netzbaus konnten Wenseleers und Kollegen ein ansatzweise aggressives Verhalten beobachten: Kommt eine noch netzlose Spinne dem Netz einer Artgenossin zu nahe, so wippt letztere so stark auf und ab, dass sie ihr Netz mitsamt den umliegenden Gerüstfäden in Schwingung versetzt. Fast immer sucht sich die potenzielle Kontrahentin daraufhin eine andere Stelle für ihr Netz.

Nahaufnahme zeigt Blick in dichtes Gemeinschaftsnest dunkler Spinnen mit gelben Punkten Foto: Tom Wenseleers

Allerdings reicht das Platzangebot meist nicht aus. Im Schnitt bleiben etwa 7 Prozent der Spinnen ohne eigenes Netz und lassen sich stattdessen am Rand eines fremden Netzes nieder. Im Gegensatz zu ihrem vorherigen Verhalten ignorieren sie das „Anwippen“ durch die Besitzerin nun und harren still aus, bis sich die Artgenossin beruhigt. Und landet ein großes Beuteinsekt im Netz, so wird dieses häufig von beiden Tieren gemeinsam verzehrt.

Nach Ansicht Wenseleers‘ und seiner Kollegen liefert Parawixia bistriata ein Musterbeispiel für eine als bourgeois bezeichnete Verhaltensstrategie: Unabhängig von Geschlecht und Körpergröße treten Tiere mit Netz dominant auf, netzlose Artgenossen dagegen konfliktvermeidend. Schlägt die Passivität schließlich in Ignoranz um, so ist es immer noch besser, gemeinsam zu fressen, als einen Kampf zu riskieren.

Forschung: Tom Wenseleers, Departement Biologie, Katholieke Universiteit Leuven; Jonathan P. Bacon und Francis L. W. Ratnieks, School of Life Sciences, University of Sussex, Brighton; Denise A. Alves, Departamento de Biologia, Universidade de São Paulo; Ribeirão Preto; und andere

Veröffentlichung American Naturalist, Vol. 182, DOI 10.1086/670525

WWW:
Laboratory of Socioecology and Social Evolution, KU Leuven
Laboratory of Apiculture and Social Insects, University of Sussex
Parawixia (Eriophora) bistriata
Animal Contests as Evolutionary Games

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Ein angenehmer Mitesser

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