Posted in: Biologie 10. Juni 2013 08:00 Weiter lesen →

Unter Verwandten schwimmt es sich besser

Viele Fische schwimmen bevorzugt im Schwarm. Das gemeinsame Schwimmen verringert das Risiko des Einzelnen, von einem Räuber gefressen zu werden. Der Stichling bevorzugt dabei die Nähe von Verwandten, haben Forscher an der Uni Wien experimentell nachgewiesen.

Dreistachlige Stichlinge (Gasterosteus aculeatus) können sowohl bekannte als auch unbekannte Angehörige identifizieren, fanden Forscher vom Wiener Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung heraus. Die Fischen nutzen diese Fähigkeit offenbar in vielen unterschiedlichen Situationen. Außerhalb der Paarungszeit neigen junge und erwachsene Stichlinge dazu, sich in losen Gruppen zu sammeln. Sie scheinen dabei die Gesellschaft naher Verwandter der von „Fremden“ zu bevorzugen.

Stichlinge_Uni_Wien_300 Dreistachlige Stichlinge. Foto: Joachim Frommen /Uni Wien

Die Wissenschaftler um Joachim Frommen führten mit Stichlingen eine Reihe von Versuchen durch. Sie ließen beispielsweise einzelne Stichlinge zwischen zwei verschiedenen Gruppen von Fischen frei wählen. In einer Gruppe befanden sich genetisch verwandte Geschwister des Testfisches, die ihm bekannt oder fremd waren. In einer weiteren Gruppe befanden sich lediglich fremde Tiere, die nicht mit dem Testfisch verwandt waren. Die Forscher beobachteten, dass Fische die „Geschwister-Gruppen“ den „Fremd-Gruppen“ vorzogen. Ob die Geschwister zuvor bekannt waren oder nicht, habe dabei keine Rolle gespielt, so die Forscher. Die Fische hätten sich gleichermaßen für die bekannten oder unbekannten Geschwister entschieden.

In einem zweiten Experiment wurden Testfische vor die Wahl zwischen zwei ausschließlich aus Geschwistern zusammengesetzten Gruppen gestellt. Der Unterschied zwischen den Gruppen lag lediglich in der Bekanntschaft mit Mitgliedern der einen Gruppe und Fremdheit mit den Mitgliedern der anderen Gruppe. In diesem Fall schien es den Testfischen egal zu sein, welchem Schwarm sie sich anschlossen.

„Es scheint, dass die Fische sich unter anderem die Geruchsmerkmale eng verwandter Gruppenmitglieder früh im Leben einprägen und aus diesen Merkmalen den Verwandtschaftsgrad von Artgenossen abschätzen können“, sagt Frommen; „ob sie diese Artgenossen zuvor schon einmal getroffen haben, scheint dabei eine untergeordnete Rolle zu spielen.“

Forschung: Joachim G. Frommen, Sarah M. Zala, Shirley Raveh, Franziska C. Schaedelin, Bettina Wernisch, Attila Hettyey, Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Veterinärmedizinische Universität Wien; in „Ethology“ Vol. 119, Issue 6, pp 531–539, Juni 2013; Online-Veröffentlichung 8.5.2013, DOI: 10.1111/eth.12091.

WWW:
Abstract in „Ethology“
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung

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