Posted in: Geschichte, Technik 30. Mai 2013 18:20 Weiter lesen →

Himmlische Grabbeigaben

Foto einer stark braun verkrusteten Perle, darunter rot-blau eingefärbtes Modell Lange vor der Zeit der Pharaonen gaben die Ägypter ihren Verstorbenen wahrhaft himmlische Beigaben mit auf den Weg. Neue Belege für diese Ansicht haben englische Forscherinnen gefunden. In einem rund 5.300 Jahre alten Grab entdeckte Schmuckperlen wurden demnach aus Bruchstücken eines Eisenmeteoriten gefertigt.

Die prähistorischen Schmuckperlen weisen hohe Nickelgehalte (im Modell blau markiert) von bis zu 30 Prozent auf. Bild: Open University/Manchester Museum

„Heute sehen wir Eisen in erster Linie als nützliches, aber auch ziemlich gewöhnliches Metall an“, erklärt Joyce Tyldesley von der University of Manchester. „Für die Ägypter jener Zeit war es aber wohl ein seltenes und wunderbares Material, dem man sicherlich auch magische oder religiöse Bedeutung beimaß – schließlich war es vom Himmel gefallen.“

Die walzenförmigen Schmuckperlen waren im Jahr 1911 in einem Grab nahe des Orts Gerzeh, rund 80 Kilometer südlich von Kairo, gefunden worden. Schon wenig später wurde vermutet, es handle sich um meteoritisches Material, zumal die ältesten Belege für eine ägyptische Eisentechnologie etwa sieben Jahrhunderte jünger sind. In den 80er-Jahren wurden die Schmuckperlen und ähnliche Funde jedoch als Produkte erster, möglicherweise unbeabsichtigter Verhüttungsprozesse gedeutet.

Die Gruppe um Tyldesley und ihre Kollegin Diane Johnson von der Open University nahm die prähistorischen Schmuckperlen nun erneut mithilfe von Elektronenmikroskop und Mikro-Computertomograf unter die Lupe. Die Forscherinnen fanden, dass die Eisenkörnchen in dem Material stellenweise einen hohen Nickelgehalt von bis zu 30 Prozent aufweisen. Zudem konnten sie ein Bandmuster verschiedener Nickel-Eisen-Minerale nachweisen, als Widmanstätten-Struktur bezeichnet, wie es nur in langsam abkühlenden Meteoriten vorkommt.

Die neuen Resultate widerlegten die Annahme, die prähistorischen Schmuckperlen seien aus einem irdischen Grundstoff gefertigt worden, so die Forscherinnen. Ihrer Ansicht nach könnte das Meteoritenmaterial nicht nur eine wichtige kulturelle oder religiöse Rolle gespielt, sondern auch die Entwicklung der Metallurgie entlang des Nils beeinflusst haben.

Forschung: Diane Johnson und Monica M. Grady, Department of Physical Sciences und Centre for Earth, Planetary, Space and Astronomical Research, The Open University, Milton Keynes, und Natural History Museum, London; Joyce Tyldesley, Faculty of Life Sciences und Manchester Museum, University of Manchester; und andere

Veröffentlichung Meteoritics and Planetary Science, DOI 10.1111/maps.12120

WWW:
Department of Physical Science, Open University
Iron From the Sky
W is for Widmanstätten Pattern
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