Posted in: Biologie, Medizin 29. Mai 2013 13:47 Weiter lesen →

Malaria: Schimpansen werden mit dem Alter immun

Frei lebende Menschenaffen sind häufig von Plasmodien befallen, einem Erreger, der bei Menschen Malaria verursacht. Bei erwachsenen Tieren lassen sich allerdings wesentlich weniger Erreger nachweisen als bei Jungtieren. Offenbar baue sich mit dem Altern eine schützende Immunität auf, wie das auch beim Menschen der Fall sei, sagen Max-Planck-Forscher.

Schimpansen_Tai_Nationalpark_300 Schimpansen im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste. Foto: Sonja Metzger /Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.

Forscher vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig und vom Robert Koch-Institut in Berlin haben anhand von Kotproben frei lebender Schimpansen untersucht, wie sich das Alter der Tiere auf die Erkennungsrate des Malaria-Erregers auswirkt. Dazu sammelten die Forscher im Taï-Nationalpark an der Elfenbeinküste 141 Kotproben der Tiere. Es handelte sich um sieben weibliche und zwölf männliche Schimpansen im Alter von drei bis 47 Jahren. Den Kotproben entnahmen die Forscher DNA, analysierten diese und konnten so herausfinden, welche Proben Malaria-Erreger enthielten.

„Während der zwei Monate, in denen wir Proben gesammelt haben, war fast jedes Tier wenigstens einmal mit Malaria-Erregern infiziert“, sagt Helene De Nys vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und vom Robert-Koch-Institut. „Unsere Daten zeigen außerdem, dass zu jedem Zeitpunkt wenigstens ein Mitglied der Schimpansengruppe infiziert gewesen ist.“

Bei älteren Tieren konnten weniger oft Malaria-Erreger nachgewiesen werden als bei jüngeren. Das Geschlecht spielte dabei keine Rolle. „Dies sind die ersten Hinweise darauf, dass die epidemiologischen Merkmale einer Malaria-Infektion bei frei lebenden Schimpansen mit denen bei menschlichen Populationen vergleichbar sind“, sagt Max-Planck-Forscher Roman Wittig. „Wie beim Menschen, spielt die Herausbildung einer erworbenen Immunität möglicherweise auch bei Schimpansen eine wichtige Rolle.“

Die Wissenschaftler untersuchten auch mehr als 30 verstorbene erwachsene Schimpansen. Malaria als mögliche Todesursache konnte bei ihnen ausgeschlossen werden. Zu verstorbenen Jungtieren können die Forscher keine entsprechenden Angaben machen. Zwar sei die Sterblichkeitsrate bei jungen Schimpansen sehr hoch; ihre Kadaver seien aber schwerer auffindbar und würden oft noch mehrere Tage lang von ihren Müttern getragen, so die Forscher.

„Noch können wir nichts Genaues über die Pathogenität von Malaria-Erregern bei frei lebenden Schimpansen sagen. Unsere Ergebnisse zeigen jedoch, dass der ständige Kontakt dieser Schimpansenpopulation mit Malaria-Erregern bei den Tieren zu einer gewissen Immunität geführt hat”, sagt Fabian Leendertz vom Robert Koch-Institut.

Forschung: Hélène M. De Nys, Sébastien Calvignac-Spencer, Ursula Thiesen, Christophe Boesch, Roman M. Wittig, Roger Mundry, Fabian H. Leendertz; Online-Veröffentlichung in „Biology Letters”, 29.5.2013, DOI: http://dx.doi.org/10.1098/rsbl.2012.1160

WWW:
Abstract in Biology Letters
Abteilung für Primatologie am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, Leipzig

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