Posted in: Biologie 23. Mai 2013 20:51 Weiter lesen →

Wie Schaben zuckerscheu werden

Portraitaufnahme eines Schabenkopfes mit Antennen und Mundwerkzeugen, dunklen Facettenaugen Als Reaktion auf süße Giftköder haben Schaben mancherorts eine Abneigung gegen Traubenzucker entwickelt. Ursache dafür ist eine grundlegende Umstellung des Geschmackssinns, haben amerikanische Insektenkundler herausgefunden: Bei zuckerscheuen Schaben aktiviert Traubenzucker neuerdings jene Geschmackssinneszellen, die auf bittere Substanzen wie Koffein ansprechen.

Foto: Ayako Wada-Katsumata und Andrew Ernst

„Das führt dazu, dass diese Schaben als Reaktion auf Traubenzucker ihren Mund schließen und auf Abstand gehen“, erklärt Coby Schal von der North Carolina State University. Der Schutz vor gesüßten Fraßködern sei jedoch auch mit einem Nachteil verbunden, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Magazin „Science“. Denn immerhin schränke er das Nahrungsspektrum der Tiere erheblich ein und bremse so auch ihre Fortpflanzung.

Bereits Anfang der 90er-Jahre hatte Schals Kollege Jules Silverman beobachtet, dass sich bei Schaben als Reaktion auf gesüßte Fraßköder eine Aversion gegen Glukose entwickelte. Gemeinsam mit ihrer Studentin Ayako Wada-Katsumata nahmen die beiden Insektenkundler diesen „Sinneswandel“ nun genauer unter die Lupe. Als Untersuchungsobjekt diente ihnen die weltweit vorkommende Deutsche Schabe (Blattella germanica).

Die Gruppe brachte die feinen Geschmackshärchen auf der Unterlippe der Schabe in Kontakt mit verschiedenen Substanzen und registrierte die dadurch hervorgerufenen Nervenimpulse. Es zeigte sich, dass Glukose bei den zuckerscheuen Schaben eine Nervenzelle aktiviert, die normalerweise nur auf Abwehrstoffe von Pflanzen und andere Verbindungen mit bitterem Geschmack anspricht. Diese Nervenzelle unterdrückt zudem die Aktivität einer anderen, auf süße Substanzen spezialisierten Nervenzelle. Die Reaktion auf reinen Fruchtzucker (Fruktose) ist dagegen weiterhin positiv.


Video: Ayako Wada-Katsumata

Genetische Variationen in Geschmacksrezeptoren wirkten sich meist nur auf die Empfindlichkeit gegenüber einer Substanz aus, schreiben die Forscher. Im Fall der zuckerscheuen Schaben habe sich jedoch die Qualität eines Geschmacks ins Gegenteil verkehrt, nämlich von anziehend zu abstoßend. Weitere Untersuchungen müssten nun zeigen, ob und in welchem Maß sich diese Eigenheit unter natürlichen Bedingungen durchsetzen könne.

Forschung: Ayako Wada-Katsumata, Jules Silverman und Coby Schal, Department of Entomology und Keck Center for Behavioral Biology, North Carolina State University, Raleigh

Veröffentlichung Science, Vol. 340, 24. Mai 2013, pp 927–30, DOI 10.1126/science.1234854

WWW:
Schal Lab, North Carolina State University
Schaben
Mundwerkzeuge

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Zu viel des Guten
Raubtiere verlieren ihren süßen Zahn

Posted in: Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (4 Bewertungen, im Schnitt 4,50 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.