Posted in: Biologie 22. Mai 2013 08:32 Weiter lesen →

Gute Sänger sind nicht immer große Denker

Foto zeigt kleinen Vogel mit heller Brust, braunem Rücken, dunkel gescheckt, auf dünnem AstEin Vogelmännchen verrät mit seinem Gesang vielleicht mehr über sich, als es ihm lieb ist. Entsprechende Resultate liefert ein kleines Experiment amerikanischer Biologen. Bei nordamerikanischen Singammern sind Männchen mit einem besonders großen Gesangsrepertoire demnach eher schlecht darin, sich ein Nahrungsversteck einzuprägen.

Foto: Robert Lachlan, Duke University

„Indem sie dem Gesang eines Männchens lauschen, können die Weibchen möglicherweise auf eine ganze Reihe kognitiver Fähigkeiten schließen“, so die Gruppe um Kendra Sewall und Stephen Nowicki von der Duke University. Das gelte für die Stärken des singenden Männchens ebenso wie für seine Schwächen, schreiben die Forscher im Fachblatt „Biology Letters“.

Bei Singammern und vielen anderen Vogelarten bevorzugen die Weibchen besonders variantenreiche Sänger. Männchen mit einem großen Repertoire weisen meist auch einen voluminösen „Gesangskern“ (HVC) im Gehirn auf. Für das räumliche Lernen zeichnet dagegen eine andere Gehirnregion, der Hippocampus, verantwortlich. Zumindest in Zeiten knapper Nahrung könnte sich die eine Gehirnregion auf Kosten der anderen stärker entwickeln, vermuten Sewall, Nowicki und Kollegen.

Die Forscher zeichneten den Gesang von 16 wildlebenden Singammermännchen auf. Dann fingen sie die Tiere und trainierten sie nach einer Eingewöhnungsphase darauf, einen Mehlwurm unter Plastikhütchen auf einer Platte wiederzufinden. 14 Tiere lernten im Laufe der Zeit, das Hütchen an der immer gleichen Position anzuheben. Bei ähnlich gutem Lernerfolg war das Lerntempo allerdings sehr unterschiedlich: Männchen mit 8 unterschiedlichen Gesangstypen machten im Training insgesamt 13 Fehler, während solche mit 12 Gesängen doppelt so oft ein falsches Hütchen anhoben.

Offenbar könne es bei Singammern zu einer Art Ressourcenkonflikt zwischen Gesang und räumlichem Lernen kommen, folgert Nowicki. Weitere Studien müssten nun zeigen, wie dieses Phänomen zustande komme und ob es auch bei anderen Vogelarten auftrete. Das gelte vor allem für Spezies, die von sich aus Futter versteckten oder aber weite Wanderungen unternähmen und daher stärker auf ein gutes räumliches Lernvermögen angewiesen seien als Singammern.

Forschung: Kendra B. Sewall, Jill Soha, Susan Peters und Stephen Nowicki, Department of Biology und Department of Neurobiology, Duke University, Durham

Veröffentlichung Biology Letters, 22. Mai 2013, DOI 10.1098/rsbl.2013.0344

WWW:
Nowicki Lab, Duke University
Songbird Brain Circuitry
Song Sparrow

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