Posted in: Biologie 21. Mai 2013 19:16 Weiter lesen →

Neue invasive Ameisen erobern den Südosten der USA

Ihre Heimat liegt im nördlichen Argentinien und in Brasilien. Doch seit sie in die USA eingeschleppt wurde, machen Ameisen der Art Nylanderia fulva den angestammten Ameisen das Leben schwer. Biologen befürchten starke Auswirkungen auf das Ökosystem der betroffenen Regionen.

Wegen ihrer Unberechenbarkeit wird die neue Art in den USA umgangssprachlich als „tawny crazy ants“, als „gelbbraune verrückte Ameise“ bezeichnet. Sie soll erstmals im Jahr 2002 in Houston aufgetreten sein und hat sich seitdem großflächig in Texas und Florida etabliert. Erste Völker wurden auch in Mississippi und Louisiana identifiziert.

crazy_ant_1 Unerwünschte Besucherin: Eine Königin der Art Nylanderia fulva. Foto: Joe MacGown, Mississippi Entomological Museum

„Wenn man mit Menschen spricht, die in betroffenen Regionen leben, dann hört man einhellig den Wunsch nach der Rückkehr der Feuerameisen“, sagt Edward LeBrun von der University of Texas in Austin. Die ebenfalls lästige Feuerameise benehme sich vergleichsweise höflich: „Sie leben auf deinem Grundstück. Sie bauen ihre Nester und richten sich dauerhaft ein, aber sie gehen erst auf dich los, wenn du ihre Hügel bedrohst.“

Der „crazy“ Neuzugang kenne dagegen keine Grenze, sagt LeBrun: „Sie befallen Häuser, nisten in Kellern und Wänden, wachsen zu unglaublich großen Völkern heran und beschädigen elektrische Leitungen.“ Die winzigen Insekten dringen gern durch Lüftungsschlitze in Computer und andere elektronische Geräte ein und bauen dort ihre Nester. Bemerkt werden sie häufig erst, wenn es nach dem Anfressen von Kabelummantelungen zu Kurzschlüssen kommt.

Während man Feuerameisen mit Gift bekämpfen kann, rüht die neue Art die meisten Köder einfach nicht an. Und wird einmal ein Nest erfolgreich beseitigt, folgt schnell die nächste Population von außerhalb nach. LeBrun ist beunruhigt, weil die neue Art radikal heimische Ameisen sowie verschiedene Gliederfüßer verdrängt und auch gern menschliche Behausungen erobert.

Der Forscher und seine Arbeitsgruppe untersuchten zwei befallene Gebiete an der Golfküste von Texas. Wo sich Nylanderia fulva ausgebreitet hat, wurde die Feuerameise praktisch eliminiert. Selbst in Regionen mit nur leichtem Befall durch die neuen Invasoren waren konkurrierende Ameisenvölker stark dezimiert. Ihre Beobachtungen haben die Forscher im Magazin „Biological Invasions“ veröffentlicht.

Die Biologen wissen noch nicht viel über die Besonderheiten der neuen Art. Offenbar bevorzugen die Insekten den küstennahen, feuchten Lebensraum. Milde Winter begünstigen das Wachstum ihrer Kolonien. Trockenere oder kältere Regionen der USA könnten deshalb von den Invasoren verschont bleiben. Das Wetter ist zur Zeit ihr größter Gegner. Die natürlichen Feinde, die die Ameise in Südamerika in Schach halten, gibt es dagegen in den USA nicht.

Die Biologen schätzen, dass die Art Nylanderia fulva auf die hundertfache Stärke aller anderen Ameisenarten zusammen anwachsen kann. Dadurch erobere sie sämtliche Nahrungsquellen und verurteile andere Arten zum Hungertod, sagen die Forscher. Zudem sei die „verrückte Ameise“ ein Allesfresser und greife Gliederfüßer direkt an. Dies gefährde womöglich ganze Nahrungsketten an der Basis und damit das Ökosystem insgesamt.

crazy_ant_2 Nylanderia fulva. Zeichnung: Joe MacGown, Mississippi Entomological Museum

Neben dem Klima bremst aber eine Besonderheit die Ausbreitung der Invasoren: Die Ameisen sind grundsätzlich nicht flugfähig, ihre Kolonien wandern auf dem Landweg jährlich nur rund 200 Meter weit. Wichtig sei es daher, die Insekten nicht durch Unachtsamkeit weiter zu verbreiten, sagt Ed LeBrun. Das größte Risiko sei ihre Verschleppung auf dem Transportweg. Wenn Handel und Spediteure aufmerksam auf mögliche „blinde Passagiere“ achteten, könne ihr Vormarsch zumindest stark verlangsamt werden. Damit gewinne man Zeit, wirksame Mittel gegen die Tiere zu entwickeln.

Forschung: Edward G. LeBrun, John Abbott, Lawrence E. Gilbert, College of Natural Sciences, University of Texas at Austin; veröffentlicht in „Biological Invasions“ April 2013, DOI 10.1007/s10530-013-0463-6

WWW:
Abstract in „Biological Invasions“
Nylanderia fulva

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  1. Nylanderia fulva - Ameisenforum.de | 21. Mai 2013 20:58