Posted in: Gesundheit, Medizin 8. Mai 2013 18:50 Weiter lesen →

Hilfreiche Schnuller-Übertragung

Foto zeigt Schnuller, im Matsch liegend Wenn Erwachsene gelegentlich den Schnuller ihres Nachwuchses in den Mund nehmen, kann das nicht schaden. Im Gegenteil, lässt eine kleine Pilotstudie schwedischer Forscher vermuten. Bei Säuglingen und Kleinkindern, deren Eltern den Schnuller auf diese Weise zu reinigen suchen, sind Ekzeme demnach vergleichsweise selten.

Foto: 4028mdk09 via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

Verantwortlich für den Effekt seien möglicherweise mit dem Speichel übertragene Bakterien, erläutert Agnes Wold von der Universität Göteborg. „Die frühzeitige Etablierung einer komplexen Mikroflora in der Mundhöhle könnte eine gesunde Reifung des Immunsystem fördern und so der Entwicklung von Allergien vorbeugen“, so die Medizinerin.

Die Gruppe um Wold und ihren Kollegen Bill Hesselmar analysierte Daten über 184 Kinder. Alle waren im Alter von 18 Monaten auf allergische Symptome und eine Überempfindlichkeit gegenüber Pollen und anderen Allergenen untersucht worden. Von diesen Kindern bekamen 136 in den ersten 6 Lebensmonaten den Schnuller, und zwar in der Hälfte dieser Fälle regelmäßig erst, nachdem ein Elternteil den Schnuller selbst in den Mund genommen hatte.

Bis zum Alter von 18 Monaten traten bei 25 Prozent aller Kinder Ekzeme auf, berichten die Forscher im Fachblatt „Pediatrics“. Selbst unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren lag die Quote in Familien mit elterlicher Mundreinigung des Schnullers um den Faktor 4 niedriger als in Familien, in denen der Schnuller durch Abspülen unter dem Wasserhahn bzw. durch Abkochen gereinigt wurde. Eine erneute Untersuchung im Alter von 36 Monaten bestätigte diese Beobachtungen. Für die Häufigkeit von Asthma und Lebensmittelallergien ließ sich dagegen kein Unterschied je nach der Art der Schnullerreinigung nachweisen. Auch ein Verzicht auf den Schnuller schien keine Rolle zu spielen.

Tatsächlich wiesen jene Kinder, deren Eltern den Schnuller in den Mund nahmen, eine andere Mikroflora der Mundhöhle auf als die übrigen Kinder, ergaben DNA-Analysen. Nach Ansicht Wolds und ihrer Kollegen bekräftigen diese Resultate die Hygiene-Hypothese, der zufolge ein frühzeitiger Kontakt mit harmlosen Keimen bzw. Reizen späteren Überreaktionen des Immunsystems vorbeugen kann. Offenbar stellten per Schnuller übertragene Bakterien ein probates Training für das heranreifende Immunsystem dar, folgern die Mediziner.

Forschung: Bill Hesselmar und Agnes E. Wold, Drottning Silvias barn- och ungdomssjukhus, Sahlgrenska Universitetssjukhuset, und Institutionen för biomedicin, Göteborg universitet; und andere

Veröffentlichung Pediatrics, DOI 10.1542/peds.2012-3345

WWW:
Königin-Silvia-Kinderkrankenhaus, Universität Göteborg
Hygiene Hypothesis
Wie Bakterien das Immunsystem erziehen

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kleinkinder: Mehr Fieber, weniger Allergien

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