Posted in: Chemie, Technik 6. Mai 2013 07:00 Weiter lesen →

Handschuh warnt vor gefährlichen Stoffen

Fraunhofer-Forscher aus Regensburg haben einen Schutzhandschuh entwickelt, der vor toxischen Stoffen in der Umgebungsluft warnen kann. Dazu fügten sie Sensormaterialien und Indikatorfarbstoffe in die Textilien ein. Erkennen die Sensoren Gefahrstoffe, zeigen sie dies durch eine Farbänderung des Handschuhs an.

Foto: Fraunhofer EMFT sensorhandschuh-erkennt-gefahrstoffe_300

Der Handschuh soll Mitarbeiter der chemischen Produktion, der Halbleiterindustrie oder in Labors schützen, die häufig schädlichen Stoffen ausgesetzt sind. Dafür sind die Materialien jeweils auf die entsprechenden Analyten, und damit an die Anwendung, anzupassen. „Durch Synthese der passenden Sensorfarbstoffe können wir Gase wie zum Beispiel Kohlenmonoxid oder Schwefelwasserstoff nachweisen“, sagt Sabine Trupp, Leiterin der Fraunhofer EMFT Gruppe Sensormaterialien; „die Schutzkleidung ist aber nur ein möglicher Anwendungsbereich. Sensormaterialien könnten auch zur schnellen Prüfung von Gasleitungen auf Lecks eingesetzt werden.“

Ausgelöst wird der Warnhinweis durch einen in den Handschuh integrierten Indikatorfarbstoff, der auf einen Gefahrstoff mit einem Farbwechsel reagiert. Die Sensorfarbstoffe können mit den üblichen Färbe- und Druckverfahren auf der Kleidung aufgebracht werden, beispielsweise durch das Fixieren im Tauchbad. Zuvor passen die Forscher die Farbmoleküle durch gezielte chemische Modifikation an die jeweiligen Fasereigenschaften des Textils an.

Die Herausforderung liege in der maßgeschneiderten Entwicklung der Sensorfarbstoffe, sagt Trupp: „Das Farbstoffmolekül muss gezielt einen speziellen Analyten erkennen, nur dann erfolgt eine chemische Reaktion. Außerdem muss der Farbstoff sicher haften, er darf nicht ausgewaschen werden.“

Die Expertin hat bereits neue Ideen, wie sich die Lösung weiterentwickeln ließe. Beispielsweise könnte ein in Textilien integriertes miniaturisiertes Sensormodul Gefahrstoffe registrieren, die Messwerte speichern und auch an eine zentrale Einheit übertragen. So ließe sich über einen längeren Zeitraum hinweg dokumentieren, wie häufig eine Person in einem gefährdeten Umfeld giftigen Konzentrationen ausgesetzt war.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten gäbe es in der Lebensmittelbranche: In Folien oder Flaschenverschlüsse integrierte Farbindikatorsysteme könnten den Qualitätszustand von verpackter Nahrung sichtbar machen. Wäre die Ware z.B. durch fehlerhaftes Abpacken oder durch Unterbrechungen in der Kühlkette verdorben, ließe sich dies an der Verfärbung der Verpackung sichtbar machen.

WWW:
Fraunhofer-Einrichtung für Modulare Festkörper-Technologien EMFT

Posted in: Chemie, Technik
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (5 Bewertungen, im Schnitt 4,40 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


1 Kommentar zu "Handschuh warnt vor gefährlichen Stoffen"

Trackback | Comments RSS Feed

  1. Mirwais sagt:

    Sonderlich nützlich hört sich die Umsetzung der Idee bei den Handschuhen, nicht.

    Jedoch äußerst interessant scheint die Idee zur Weiterentwicklung als Lebensmittelindikator zu sein.
    Leider glaube ich nicht daran, dass die Lobbyisten in der Lebensmittelindustrie, dies zulassen.