Posted in: Medizin, Paläontologie 2. Mai 2013 18:14 Weiter lesen →

Hepatitis-B-Virus ist über 82 Millionen Jahre alt

Die Viren, welche die Lebererkrankung Hepatitis B auslösen, sind in Vogel-Erbgut aus dem späten Mesozoikum nachgewiesen worden. Es handele sich um „ein nahezu vollständiges Virusgenom, das sich seit über 82 Millionen Jahren als molekulares Fossil erhalten hat“, sagt der an der Entdeckung beteiligte Wissenschaftler Alexander Suh vom Institut für Experimentelle Pathologie der Universität Münster.

Alexander_Suh_Uni_Muenster_300 Alexander Suh bei der Arbeit. Foto: Takeshi Kawakami /Uni Münster

„Viren selbst hinterlassen keine Fossilien, die Aufschluss über ihre Vergangenheit geben könnten“, sagt Suh. Deshalb suchten er und seine Kollegen nach genomischen Überbleibseln paläoviraler Sequenzen in der Erbsubstanz von Wirtsorganismen von Vögeln. Da sich Einschlüsse von viralen Sequenzen im Wirtsgenom vergleichsweise langsam veränderten, sei es heute noch möglich, viele Millionen Jahre alte virale Erbsubstanzen zu untersuchen, ergänzt Jürgen Schmitz, Leiter der Arbeitsgruppe: „Die prähistorische virale Erbsubstanz wird quasi zum Zeitpunkt ihrer Integration ins Wirts-Genom im Urzustand eingefroren und bleibt daher bis heute als solche sichtbar – wir nennen diese Sequenzen deshalb auch molekulare Fossilien.“

Nach einer ähnlichen Suche hatten Forscher im letzten Jahr das Genom des Virus bereits aus einer koreanischen Mumie aus dem 16. Jahrhundert vollständig rekonstruiert (siehe Link unten).

Nach Meinung der Wissenschaftler haben die Hepatitis-B-Viren bei Säugetieren vermutlich ihren Ursprung in einem Wirtswechsel vom Vogel zum Säuger. „Außerdem deuten unsere Forschungen darauf hin, dass das krebserregende X-Gen menschlicher Hepatitis-B-Viren relativ spät in der Evolution dieser Virenfamilie entstand“, sagt Suh. So seien mit diesem Fund nicht nur Erkenntnisse über eine Millionen von Jahren alte Form der Hepatitis B bei Vögeln möglich, sondern auch über die Ausprägung der Infektion beim Menschen. Hepatitis B ist heutzutage mit 350 Millionen chronischen Erkrankungen eine der häufigsten Virusinfektionen weltweit.

Die Forscher stellen ihre Entdeckung in der Zeitschrift „Nature Communications“ vor. Ihre Studie gehört zu dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanzierten Projekt „Phylogenie der Vögel“.

Forschung: Alexander Suh, Jürgen Brosius, Jürgen Schmitz, Universität Münster, Jan Ole Kriegs, LWL-Museum für Naturkunde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Veröffentlichung in „Nature Communications“ 4, Article number: 1791 doi:10.1038/ncomms2798

WWW:
Abstract in „Nature Communications“
Institut für Experimentelle Pathologie, Uni Münster

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