Posted in: Gesundheit, Soziales 25. April 2013 18:53 Weiter lesen →

Gut gelüftete U-Bahn

Foto zeigt Bahnsteig im U-Bahn-Tunnel mit rasch durchfahrendem Zug Wer mit der U-Bahn fährt, muss sich über Keime in der Luft keine besonderen Sorgen machen. Das gilt zumindest für die Stadt New York, haben amerikanische Forscher ermittelt. Allein die fahrenden Züge saugen demnach so viel Frischluft durch die Tunnel, dass deren Mikroflora weitgehend identisch ist mit derjenigen an der Oberfläche.

Foto: Error46146 at en.wikipedia

Zwar wirke die unterirdische Umgebung mit ihrer künstlichen Beleuchtung durchaus fremdartig, räumen die Forscher um Norman Pace von der Universität Boulder ein. „Unsere Erhebung zeigt jedoch, dass die Mikroben im New Yorker U-Bahn-System alles andere als ungewöhnlich sind.“ Insbesondere habe man keine Krankheitserreger finden können, die nicht ohnehin zu den ständigen Begleitern des Menschen gehörten, berichten die Forscher im Fachblatt „Applied and Environmental Microbiology“.

Allein die U-Bahn in New York befördert jährlich gut 1,6 Milliarden Passagiere. Angesichts der besonderen Umweltbedingungen und des Potenzials für die Übertragung von Keimen war die Luft in den Tunneln schon früher untersucht worden – allerdings nur auf solche Mikroben, die sich leicht in Kultur vermehren lassen. Pace und seine Arbeitsgruppe bezogen nun auch das Gros der nicht kultivierbaren Einzeller mit ein. Dazu pumpten die Forscher an verschiedenen U-Bahn-Stationen mehrere Kubikmeter Luft durch eine Flüssigkeit und sequenzierten das so gesammelte Erbgut.

Verglichen mit der Luft in einem kleinen Park in Manhattan, weist die Tunnelluft kaum Besonderheiten auf, fanden Pace und Kollegen. Auf jeden Kubikmeter kommen demnach im Schnitt 22.000 Zellen von Bakterien und Pilzen – insgesamt deutlich weniger als in einem typischen Wohngebäude. Das Muster nachgewiesener Familien und Gattungen entspricht oberirdischer Umgebungsluft mit einem typischen Mix aus Boden- und Gewässermikroben sowie einem erhöhten Anteil von Bewohnern der menschlichen Haut.

Auffällig war lediglich die Zahl der Pilzzellen, die in der New Yorker U-Bahn-Luft etwa doppelt so hoch liegt wie in der Parkluft. Pace und Kollegen führen diesen Befund auf Holz zurück, das noch immer einen Teil der Gleiskonstruktion ausmacht und im Laufe der Zeit unvermeidlich von Pilzen besiedelt und zersetzt wird. Nach Ansicht der Forscher belegen ihre Daten die hohe Effektivität des passiven, nur durch den Zugverkehr angetriebenen Luftaustauschs durch Lüftungsgitter in den Straßen.

Forschung: Charles E. Robertson, Laura K. Baumgartner und Norman R. Pace, Department of Molecular, Cellular, and Developmental Biology, University of Colorado, Boulder; und andere

Veröffentlichung Applied and Environmental Microbiology, DOI 10.1128/AEM.00331-13

WWW:
Pace Lab, CU-Boulder
Metropolitan Transportation Authority
Subway and Bus Ridership
Der Monroe-Effekt

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