Posted in: Paläontologie 22. April 2013 16:14 Weiter lesen →

Dinosaurier brütete wie Vögel

Foto zeigt Frau, mit einer Lupe über das Modell eines Nests mit hellen, zur Hälfte im braunen Boden steckenden Eiern Zumindest einige Dinosaurier brüteten ihre Eier auf die gleiche Weise aus wie heutige Vögel. Neue Belege für diese Ansicht haben kanadische und amerikanische Forscher gefunden. Bei der von ihnen untersuchten Saurierspezies enthält die Eischale so wenig Poren, dass der Nachwuchs unter einer wärmenden Erd- oder Streuschicht wohl nicht genügend Luft bekommen hätte.

Foto: Jay Im (University of Calgary)

Die Luft- und Wasserdurchlässigkeit der Eischale sei bei dem zweibeinigen Troodon formosus ähnlich niedrig gewesen wie bei heutigen brütenden Vögeln, erklärt Darla Zelenitsky von der Universität Calgary. „Demnach hat dieser Dinosaurier seine Eier nicht vollständig vergraben, wie es Krokodile tun“, so die Paläontologin.

Die Gruppe um Zelenitsky und ihren Kollegen David Varricchio von der Montana State University stützt ihre Schlussfolgerungen auf zwei Eier aus fossilen Gelegen von Troodon. Der schätzungsweise bis zu 50 Kilogramm schwere und 3 Meter lange Dinosaurier lebte gegen Ende der Kreidezeit und wird zur großen Gruppe der Theropoden gerechnet, die neben Tyrannosaurus rex und den Raptoren auch die Vögel umfasst.

Die Forscher fertigten flach durch die Eischale verlaufende Schnitte an, die sie dann auf die Zahl und Querschnittsfläche der Poren untersuchten. Anhand ihrer Resultate berechnen sie den Wasserdurchtritt durch Troodon-Eischalen zu 0,24 bis 0,3 Milligramm pro Tag und Pascal Partialdruck – entsprechend rund 80 bis 100 Prozent des Werts für ähnlich große, offen im Nest liegende Eier heutiger Vögel. Deutlich höhere Werte finden sich dagegen bei Krokodilen und bei Vögeln, die ihre Eier im Boden oder in verrottendem Laub vergraben.

Am größten ist die Durchlässigkeit der Troodon-Eischale um das stumpfe Eiende herum, am niedrigsten ist sie dagegen am spitzen Ende. Möglicherweise steckten die Eier des Dinosauriers also mit dem spitzen Ende voran im weichen Boden, sodass ihr stumpfes Ende offen lag, sieht Varricchio eine schon vor vielen Jahren geäußerte Vermutung bekräftigt. „Während der Inkubation dürfte das Alttier direkten Kontakt mit den Eiern gehabt haben“, so der Forscher. Die Wurzeln des für heutige Vögel typischen Brutverhaltens könnten also bei ihren Urahnen unter den fleischfressenden Dinosauriern liegen.

Forschung: David J. Varricchio, Department of Earth Sciences, Montana State University, Bozeman, und Darla K. Zelenitsky, Department of Geoscience, University of Calgary; und andere

Veröffentlichung Paleobiology, Vol. 39(2), pp 278–96, DOI 10.1666/11042

WWW:
Dinosaur Paleontology, University of Calgary
David Varricchio, Montana State University
Troodon
Dinosaur Eggs
Dinosaurier.org

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Großes Fressen am Dinosaurier-Ei
Saurierbecken mit Eiern gefunden

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1 Kommentar zu "Dinosaurier brütete wie Vögel"

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  1. Mirwais sagt:

    Es ist toll, wie einige Wissenschaftler ihren gesunden Menschenverstand nutzen und logisch schlussfolgern.

    Der Vergleich mit Krokodilen finde ich jedoch unglücklich, da man ja im Allgemeinen die Troodon-Dinosaurier zu den direkten Vorfahren von Vögeln zählt und nicht zu dem Reptilienzweig der Dinofamilie. Also ist es naheliegend, dass sie sich eher wie Vögel verhielten und nicht wie die Reptilien.