Posted in: Paläontologie 11. April 2013 14:03 Weiter lesen →

Lufengosaurus: Dino-Embryonen in China gefunden

Die bislang ältesten Dinosaurier-Embryonen sind in China nachgewiesen worden. Sie sind offenbar dem Lufengosaurus zuzurechnen, einem pflanzenfressenden Prosauropoden mit langem Hals. Lufengosaurus lebte im Unteren Jura vor rund 200 bis 190 Millionen Jahren.

Die fossilen Überreste waren bei Grabarbeiten in einer Mergelschicht entdeckt worden. Es handelt sich um rund 200 nur wenige Millimeter kleine Knochen. Eine Forschergruppe aus fünf Ländern konnte die Überreste rund 20 Embryonen unterschiedlicher Entwicklungsstadien zuordnen.

Die Lagerung der Knochen deute darauf hin, dass es sich um Nester mit Eiern des Lufengosaurus handele, sagt der an der Auswertung beteiligte Forscher Koen Stein vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. In der Gegend des Fundes seien bereits vorher Überreste von erwachsenen Tieren des Lufengosaurus gefunden worden.

Embryo_Lufengosaurus_300 Rekonstruktion des Dino-Embryos. Zeichnung: D. Mazierski /University of Toronto

Stein untersuchte Dünnschnitte mehrerer, nur wenige Millimeter kleiner Wirbelknochen unter dem Mikroskop. Kanalförmige Hohlräume durchziehen die Wirbel, sagt Stein: „Sie beherbergten die Blutgefäße, die das wachsende Knochengewebe mit Nährstoffen versorgten.“ Bei Jungtieren, die über ein rasches Wachstum verfügten, seien diese Hohlräume besonders groß. In langsamer wachsenden älteren Tieren verengten sich diese Kanäle, weil nicht mehr so viele Nährstoffe herangeschafft werden müssten. Von der Größe der Hohlräume im Wirbel lasse sich also ableiten, in welchem Entwicklungsstadium sich das Tier befunden hätten.

„Anhand dieser Momentaufnahme in der Entwicklung konnten wir feststellen, dass es sich bei den Fossilien um Dinosaurier-Embryonen in einem frühen Stadium handeln muss“, sagt Stein. Reste von Eierschalen und fossilierter Knorpel im Innern der Wirbel stützten dieses Ergebnis.

Darüber hinaus konnten die Forscher zeigen, dass Lufengosaurus sehr rasch gewachsen ist und sich häufig fortgepflanzt hat. Beides zusammen könnte diesen Dinosauriern einen Selektionsvorteil verschafft haben und erklären, warum sie sich offensichtlich so weit über den Globus verbreiten konnten.

Lufengosaurus gehört zu den ältesten Dinosauriern, die vergleichsweise noch wenig erforscht sind. Die Tiere maßen rund acht Meter in der Körperlänge und verfügten über einen langen Hals. Der Lufengosaurus war zumindest zeitweilig auf zwei Beinen unterwegs und hatte scharfe Zähne und Krallen – wahrscheinlich war er aber ein Pflanzenfresser.

Forschung: Robert R. Reisz, Timothy D. Huang, Eric M. Roberts, ShinRung Peng, Corwin Sullivan, Koen Stein, u.a.; in „Nature“ Vol. 496 Number 7444, pp 210–214, 11.4.2013, DOI: 10.1038/nature11978

Weiter im Web:
Abstract in „Nature“
Lufengosaurus (Wikipedia)
Dinosaurier.org

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