Posted in: Gesundheit, Psychologie 9. April 2013 14:56 Weiter lesen →

Eine Jahreszeit für Probleme

Bunt eingefärbtes 3D-Modell des GehirnsDer Lauf der Jahreszeiten wirkt sich stark auf das Wohlbefinden aus. Ablesen lässt sich das unter anderem an den Suchanfragen im Internet, haben amerikanische Mediziner ermittelt. In den Wintermonaten werden demnach deutlich mehr Anfragen zu psychischen Problemen gestellt als in den Sommermonaten.

Bild: National Institute of Mental Health, National Institutes of Health, Department of Health and Human Services

Nicht nur von der sprichwörtlichen Winterdepression, auch von anderen psychischen Störungen sei eine jahreszeitliche Häufung bekannt, erläutert James Niels Rosenquist vom Massachusetts General Hospital in Boston. Gemessen an den Suchanfragen, scheine der Einfluss des variierenden Licht- und Wärmeangebots jedoch viel weiter zu reichen, so der Psychiater: „Wir hätten nicht erwartet, ähnliche Winter-Hochs und Sommer-Tiefs für jede einzelne betrachtete Störung zu finden.“

Die Forscher um Rosenquist und seinen Kollegen John Ayers von der San Diego State University nutzten die Trends-Funktion der Suchmaschine Google, um den Häufigkeitsverlauf von Anfragen zu Depression, Selbstmordgedanken und weiteren psychischen Problemen in den Jahren 2006 bis 2010 zu ermitteln. Sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Australien zeigten sich eine Schwankung um insgesamt rund 13 Prozent im Jahresrhythmus – mit einer halbjährlichen Verschiebung entsprechend der geografischen Lage nördlich bzw. südlich des Äquators.

Für einzelne Suchbegriffe war das Auf und Ab überraschend deutlich ausgeprägt, berichten die Forscher im „American Journal of Preventive Medicine“. So wurden in den Sommermonaten gut 40 Prozent mehr Anfragen zu Essstörungen gestellt als in den Wintermonaten. Ähnlich stark waren die Schwankungen im Fall der Schizophrenie, während Suchanfragen zum Thema Selbstmord im Winter um etwa ein Viertel häufiger waren als im Sommer.

Über die Zahl der tatsächlich erkrankten bzw. unter Problemen leidenden Personen sagen die Suchtrends allein nichts aus. In jedem Fall zeigten sie aber, dass sich die Menschen je nach Jahreszeit unterschiedlich häufig mit solchen Themen beschäftigten, so Ayers. Daher sieht der Mediziner in der Analyse von Suchmaschinendaten eine probate und völlig anonyme Alternative zu kostspieligen Umfragen. „Indem wir einfach erfassen, wonach die Leute online suchen, können wir ihnen förmlich in den Kopf schauen und so Muster im Auftreten psychischer Probleme besser verstehen.“

Forschung: John W. Ayers, Graduate School of Public Health, San Diego State University, Daniel E. Ford, Division of General Internal Medicine, Johns Hopkins University, Baltimore; James Niels Rosenquist, Department of Psychiatry, Massachusetts General Hospital, Boston; und andere

Veröffentlichung American Journal of Preventive Medicine, Vol. 44(5), DOI 10.1016/j.amepre.2013.01.012

WWW:
Public Health, San Diego State University
Google Trends
Saisonale Depression

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2 Kommentare zu "Eine Jahreszeit für Probleme"

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  1. Plusculus sagt:

    Guten Tag,

    das liegt m.E. daran, dass man sich im Winter – aufgrund des Aktivitätsmangels – mit sich selbst beschäftigt. Während im Sommer allerlei Aktivitäten möglich sind. Ein ähnliches Bild im übertragenen Sinne: Isolierte man einen Menschen in einem Haus und dieser wüsste, dass er der einzige Mensch ist. In diesem Haus – gerne auch mit riesigen Garten und Waldstück – hat er alle Möglichkeiten: Alle Technologien, er kann sich medizinisch selbst versorgen und wird köperlich nicht krank, Sport treiben kann er, Essen und Trinken, was immer er möchte… Jetzt nimmt man das „Drumherum“ weg. Was passiert? Richtig: Er stellt sich Fragen. Er stösst auf Sinnlosigkeit.

  2. Mirwais sagt:

    Gegenmeinung zu Plusculus: Dein Ansatz ist logisch, jedoch leider nicht voll zutreffend. Ich denke, dass das Problem komplexer ist. Ich bin bspw. sowohl in Sommer als auch in Winter aktiv und bevorzuge den Sommer und die Sonne, als Winter und Kälte. Paradoxerweise jedoch habe in Sommer mit Verstimmungen zu kämpfen, während es mir in Winter gut geht. Ich denke, die Hauptursache liegt in den Genen, die den Hormonhaushalt und somit das Serotoningleichgewicht im Gehirn negativ beeinflussen