Posted in: Biologie 27. März 2013 18:59 Weiter lesen →

Neuer Tierstamm entdeckt

EM-Aufnahme zeigt Zelle mit Wespentaille und 2 Geißeln Die Entdeckung eines neuen Tierstamms vermeldet eine deutsch-englische Forschergruppe. Bei mikroskopisch kleinen Einzellern, die in allen Weltmeeren verbreitet sind, handelt es sich demnach nicht etwa um besonders kleine Algen. Vielmehr sieben die Winzlinge organische Materie aus dem Wasser, um sie zu verdauen – Bartenwalen nicht unähnlich, allerdings im zehnmillionenfach kleineren Maßstab.

Bild: Seenivasan R et al. (2013), PLoS ONE 8(3): e59565. doi:10.1371/journal.pone.0059565 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Mit Abmessungen von bestenfalls 4 mal 2,5 Mikrometern (Tausendstel Millimetern) sind die Picozoen – zuvor als Picobiliphyten bezeichnet – nur wenig größer als Bakterien. Ramkumar Seenivasan von der Universität Köln gelang es nun erstmals, Reinkulturen der Organismen anzulegen und neben ihrer Struktur auch ihr Verhalten detailliert zu studieren. Die erstaunlichen Resultate stellen der Forscher und seine Kollegen im Fachmagazin „PLoS ONE“ vor.

Jede Zelle der auf den Namen Picomonas judraskeda getauften Spezies besteht aus zwei Halbkugeln, die über eine Wespentaille miteinander verbunden sind. Eine dieser Halbkugeln birgt neben dem Zellkern ein einziges Mitochondrium als Zellkraftwerk und andere typische Organellen, außerdem trägt sie zwei Geißeln unterschiedlicher Länge. Für Algen bzw. Pflanzen typische Plastiden fehlen dagegen.


Jump, drag, skedaddle. Video: Seenivasan R et al. (2013), PLoS ONE 8(3): e59565. doi:10.1371/journal.pone.0059565 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Die andere Zellhalbkugel weist einen schlitzförmigen Zellmund, eine reusenartige Struktur aus Fasern des Zellskeletts sowie ein großes Membranbläschen auf, das vermutlich zur Verdauung dient. Der Zellmund ist mit einer Weite von lediglich 0,15 Mikrometern allerdings zu klein, als dass sich die Zelle von Bakterien ernähren könnte. Viren und Partikel aus verklumpten Zelltrümmern und Makromolekülen dürften daher die bevorzugte Nahrung darstellen, vermuten Seenivasan und Kollegen.

Seltsam ist auch die Fortbewegungsweise von Picomonas judraskeda. Die Zelle macht einen kurzen Sprung in Richtung der Hälfte mit dem Zellkern, um dann zunächst langsam und dann sehr rasch und ausdauernd in die Gegenrichtung zu gleiten. Aus den englischen Wörtern „jump“, „drag“ und „skedaddle“ (springen, gleiten, türmen) leiten die Forscher den Artnamen ab.

Forschung: Ramkumar Seenivasan, Nicole Sausen und Michael Melkonian, Botanisches Institut, Universität zu Köln; Linda K. Medlin, Marine Biological Association of the UK, Plymouth

Veröffentlichung PLoS ONE 8(3): e59565, DOI 10.1371/journal.pone.0059565

WWW:
Melkonian Lab, Uni Köln
Marine Biological Association of the UK
(Pico)Biliphytes

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