Posted in: Anthropologie, Biologie 25. März 2013 21:27 Weiter lesen →

Bei Ankunft Artensterben

Nahaufnahme eines stämmigen Vogels mit beinahe schwarzem Gefieder und kräftigem, leuchtend roten Schnabel Die Ankunft der ersten Kanus in der Inselwelt Polynesiens hatte katastrophale Folgen für die dort heimische Fauna. Diese Ansicht bekräftigt eine Untersuchung australischer, englischer und amerikanischer Forscher. Infolge der Besiedlung durch den Menschen hat die Vogelfauna der Inseln demnach mindestens 1.000 Spezies eingebüßt.

Hat die Besiedlung Neuseelands durch den Menschen knapp überlebt: der Südinsel-Takahe. Foto: Courtesy of Tim Blackburn

Der neue Schätzwert umfasse nur solche Vogelarten, die weder Wasservögel seien noch zur großen Ordnung der Sperlingsvögel gehörten, erklärt Tim Blackwell von der Zoological Society of London. „Beziehen wir Meeresvögel und Singvögel mit ein, könnte sich der gesamte Artenverlust durchaus auf 1.300 Spezies beziffern.“

Schon vor 40.000 Jahren erreichte der moderne Mensch Südostasien und Australien und schaffte es schließlich auf die Inseln Melanesiens und Mikronesiens. Doch erst vor etwa 3.500 Jahren begannen Siedler, auch in die abgelegenen Teile der pazifischen Inselwelt vorzudringen.

Mithilfe statistischer Methoden versuchten Blackwell und Kollegen, die Folgen für die Vogelwelt abzuschätzen. Die Forscher sammelten Daten über Vogelspezies, die europäische Seefahrer und Gelehrte auf 41 polynesischen Inseln registriert hatten, und glichen diese mit Berichten über Fossilienfunde auf den Inseln ab. Anhand des Anteils der „wiedergefundenen“ Arten schätzten sie dann die Zahl der noch nicht als Fossilien entdeckten, vor der Ankunft der Europäer ausgestorbenen Spezies.

Im Mittel ist ein gutes Drittel aller von Europäern angetroffenen Arten auch im Fossilbericht überliefert, schreiben die Forscher in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Ihrer Analyse zufolge, sind vor allem auf kleinen und niederschlagsarmen Inseln seit der Ankunft des Menschen viele Vogelpopulationen verschwunden. Besonders häufig betroffen waren große, flugunfähige Vögel wie die neuseeländischen Moas und der neukaledonische Du (Sylviornis neocaledoniae). Und da viele Arten überhaupt nur auf einzelnen Inseln vorkamen, bedeutete das Verschwinden einer Population häufig auch das Aussterben einer Spezies.

Forschung: Richard P. Duncan, Institute for Applied Ecology, University of Canberra; Alison G. Boyer, Department of Ecology and Evolutionary Biology, University of Tennessee, Knoxville, und Tim M. Blackburn, Institute of Zoology, Zoological Society of London, und King Saud University, Riad

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1216511110

WWW:
Applied Ecology, University of Canberra
Institute of Zoology, Zoological Society of London
Pacific Migrations
Polynesien

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