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Risikostreuung bei Buntbarsch-Eltern

Unterwasseraufnahme zeigt kleine, blassrötlich gefärbte Fische über steinigem Seegrund in klarem Wasser [1] Buntbarsche verhalten sich wie kluge Anleger und verteilen ihre Investition auf verschiedene Objekte. Das gilt zumindest für eine von Wiener Verhaltensforschern untersuchte Spezies. Bei dieser Art bringen die Eltern einen Teil ihrer Nachkommen in fremden Nestern unter. Im Gegenzug akzeptieren sie fremden Nachwuchs, der besonders gut zur eigenen Brut passt.

Eine Brutkolonie in 7 Metern Tiefe im Tanganjikasee. Foto: Stefanie Schwamberger/Vetmeduni Wien

Die kleine Buntbarschspezies sei einem starken Druck durch Fressfeinde ausgesetzt, erklärt Franziska Schädelin von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Durch das Verteilen der Brut auf mehrere Nester könnte im Fall einer Räuberattacke zumindest ein Teil der Nachkommen überleben. „Es sieht so aus, als würden diese Buntbarsche es vermeiden, alles auf eine Karte zu setzen“, so die Forscherin.

Im Tierreich kommt es immer wieder vor, dass Alttiere fremden Nachwuchs großziehen, obwohl damit weniger Ressourcen für die eigenen Nachkommen übrig bleiben. Schädelin und Kollegen gingen der Frage nach, warum sich das Adoptionswesen dennoch im Laufe der Evolution erhalten hat. Dazu studierten sie die Verhältnisse bei Neolamprologus caudopunctatus, einer wenige Zentimeter großen und bei Aquarianern beliebten Buntbarschspezies aus dem afrikanischen Tanganjikasee.

Die Buntbarsche dieser Spezies leben monogam und bilden in ihrem Heimatgewässer regelrechte Brutkolonien. Bei Gentests in einer solchen Kolonie fanden die Forscher, dass 19 von 32 untersuchten Nesthöhlen Jungfische enthielten, die mit keinem der beiden Nestbesitzer verwandt waren. Insgesamt stammte fast ein Fünftel aller untersuchten Jungfische aus anderen, teils mehr als 40 Meter weit entfernten Nestern. Angesichts dieser Entfernung dürften die Jungfische im Maul ihrer Eltern zu den fremden Nestern transportiert worden sein, folgern die Wissenschaftler im Fachblatt „Behavioral Ecology“.

Durch das Akzeptieren fremder Jungen reduzierten Buntbarschpaare für ihre eigenen Jungen das Pro-Kopf-Risiko, gefressen zu werden, so Schädelin weiter. Biologische und Zieheltern scheinen allerdings darauf zu achten, dass die Jungfische auch zueinander passen, fanden die Forscherin und ihre Kollegen. Obwohl tendenziell eher größere Nachkommen weggegeben und kleinere behalten wurden, war in den gemischten Bruten kein Größenunterschied zwischen Jungfischen unterschiedlicher Herkunft festzustellen.

Forschung: Franziska C. Schädelin, Wouter F. D. van Dongen und Richard H. Wagner, Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Department für Integrative Biologie und Evolution, Veterinärmedizinische Universität Wien

Veröffentlichung Behavioral Ecology, Vol. 24(2), pp 540–6, DOI 10.1093/beheco/ars195 [2]

WWW:
Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung, Wien [3]
Neolamprologus caudopunctatus [4]
Cichlids [5]

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Buntbarsch neigt zur Inzucht [6]
Buntbarsche: Evolution in Zeitraffer [7]