Posted in: Biologie 18. März 2013 19:02 Weiter lesen →

Motorisierte Selektion bei Schwalben

Foto zeigt Schwalbe im Flug, Blick auf die weiße Bauchseite Die Auslese durch den Straßenverkehr kann vielleicht zu mehr Wendigkeit bei Schwalben führen. Entsprechende Hinweise haben zwei US-Forscher im Rahmen eines Langzeitprojekts erhalten. Im Untersuchungsgebiet finden sich demnach immer weniger getötete Schwalben am Straßenrand – und das, obgleich die Vogelpopulation und die Verkehrsströme gewachsen sind.

Foto: donjd2 via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0 Generic)

„Die Evolution läuft immer weiter“, formuliert Charles Brown von der Universität Tulsa. Wenn Schwalben unter Straßenbrücken nisteten, hänge ihr Überleben auch von ihren Fähigkeiten im Umgang mit rasch fahrenden Kraftwagen ab. „Diese üben einen ganz eigenen, nicht unbedingt offensichtlichen Selektionsdruck aus.“ In diesem Fall seien das Resultat offenbar kürzere, für schnelle Starts und Wenden besser geeignete Flügel.

Brown und seine Kollegin Mary Bomberger Brown von der Universität von Nebraska studieren seit 1982 den Werdegang einer Population von Fahlstirnschwalben (Petrochelidon pyrrhonota), die ihre Nester häufig an Brücken über Schnellstraßen bauen. In den letzten 30 Jahren hat das Forscherduo bei seinen Fahrten zu den einzelnen Beobachtungspunkten sämtliche Schwalben eingesammelt und vermessen, die bei Kollisionen mit Fahrzeugen getötet worden waren.

Foto zeigt Betonbrücke, an ihrem Rand übersät mit Schwalbennestern und zugehörigen Kothaufen Foto: Current Biology, Brown et al.

Dabei zeichneten sich mehrere Trends ab, berichten die Forscher im Fachblatt „Current Biology“. Die Zahl der jährlich geborgenen Kadaver sank von anfangs 20 auf zuletzt 4, während die Zahl der Schwalbennester an Straßenbrücken im gleichen Zeitraum von rund 4.000 auf 25.000 stieg. Und während die durchschnittliche Flügellänge der getöteten Vögel von 10,8 auf 11,1 Zentimeter zunahm, fiel sie in der gesamten Schwalbenpopulation auf etwa 10,6 Zentimeter.

Die Fahrzeugdichte auf den Straßen habe nicht abgenommen, so Brown und Bomberger Brown, die Zahl der SUV mit ihrer großflächigen Front sei sogar gestiegen. Da auch Bestandsveränderungen bei Aasfressern die sinkende Zahl geborgener Schwalbenkadaver nicht erklären könnten, liege die Vermutung nahe, dass das Phänomen zumindest teilweise auf Selektionseffekten beruhe: Kürzere Flügel ermöglichten den Vögeln steilere Starts und engere Wenden und könnten daher im Fall eines herannahenden Fahrzeugs einen Überlebensvorteil mit sich bringen.

Forschung: Charles R. Brown, Department of Biological Science, University of Tulsa, Tulsa, und Mary Bomberger Brown, School of Natural Resources, University of Nebraska, Lincoln

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2013.02.023

WWW:
Charles Brown, University of Tulsa
Cliff Swallow
Evolution 101

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