Posted in: Biologie, Klima, Umwelt 7. März 2013 20:00 Weiter lesen →

Blüten setzen Bienen unter Drogen

Foto zeigt Biene am Rand einer einladend geöffneten Blüte mit großen weißen Kronblättern, Staubblätter und Stempel leuchtend gelb Wenn Bienen manche Pflanzen besonders gern besuchen, ist vielleicht auch etwas pharmakologische Leistungssteigerung mit im Spiel. Das haben britische und amerikanische Biologen herausgefunden. Nach dem Besuch von Blüten, deren Nektar natürlicherweise etwas Koffein enthält, können sich Bienen demnach besonders lange an den zugehörigen Blütenduft erinnern.

Foto: Courtesy of Geraldine Wright

Der Effekt könnte beiden Parteien gleichermaßen zugute kommen, vermutet Geraldine Wright von der Universität im englischen Newcastle. Den Bienen helfe das Koffein, sich an ergiebige Nektarquellen zu erinnern. Im Gegenzug werde die koffeinproduzierende Pflanzenart häufiger von den Bestäuberinnen besucht.

Nach gängiger Auffassung produzieren Pflanzen das bitter schmeckende und giftige Alkaloid Koffein, um Fressfeinden den Appetit zu verderben. Vor einigen Jahren war allerdings entdeckt worden, dass Koffein bei Zitruspflanzen auch in Pollen und Nektar enthalten ist. Wright und Kollegen fanden nun, dass ähnliches für Kaffeepflanzen gilt – und das, obwohl beide Pflanzengattungen auf Insekten als Bestäuber angewiesen sind.

Die Koffeinkonzentration im Blütennektar erreicht höchstens 50 Milligramm pro Liter – entsprechend einem Zwanzigstel der Konzentration in starkem Filterkaffee. Diese Konzentration schmeckt für Honigbienen noch nicht abschreckend, hat jedoch deutliche Auswirkungen auf ihr Erinnerungsvermögen, berichten Wright und Kollegen im Magazin „Science“.

Bei den Versuchen der Forscher rochen Honigbienen zunächst Blütenduft und bekamen dann etwas Zuckerwasser. Bereits nach wenigen Wiederholungen hatten die Tiere die Abfolge verinnerlicht und streckten schon als Reaktion auf den Duft ihren Saugrüssel aus. Zwar lernten sie den Zusammenhang nicht schneller, wenn die Zuckerlösung Koffein enthielt, konnten sich daran aber besser erinnern: Nach 24 Stunden löste der Blütenduft noch bei 60 Prozent der Bienen in der Koffeingruppe den Rüsselreflex aus, in der Kontrollgruppe waren es nur 20 Prozent.

Seine Wirkung scheint das Koffein im Bienenhirn auf ganz ähnliche Weise zu entfalten wie im menschlichen Gehirn, fanden Wright und Kollegen. Die Verbindung steigert demnach die Feuerbereitschaft von Nervenzellen in einer für das Lernen wichtigen Gehirnregion, den Pilzkörpern, indem es den hemmenden Effekt von Adenosin blockiert. Ob Bienen auch süchtig nach Koffein werden können und vielleicht sogar besondere Risiken eingehen, um an entsprechenden Nektar zu kommen, ist noch offen.

Forschung: Geraldine A. Wright, Centre for Behaviour and Evolution, Institute of Neuroscience, Newcastle University; Phil C. Stevenson, Royal Botanical Gardens, Kew, und Natural Resources Institute, University of Greenwich, Chatham; und andere

Veröffentlichung Science, Vol. 339, 8. März 2013, pp 1202–4, DOI 10.1126/science.1228806

WWW:
Centre for Behaviour and Evolution, Newcastle University
Biologie der Honigbiene
Wie Bienen lernen, welchen Düften es zu folgen lohnt
Mushroom Body

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Hummeln gehen auf Nummer Sicher
Bienen: Erinnerung von links
Koffein macht überzeugbar

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