Posted in: Biologie, Physik 6. März 2013 01:01 Weiter lesen →

Kaiserpinguine sind kühler als kühl

IR-Bild zeigt blaue Pinguine mit grün-gelben Flecken auf tiefblauem Boden vor dunkelviolettem Hintergrund Kaiserpinguine sind auf bemerkenswerte Weise an die eisigen Bedingungen in der Antarktis angepasst. Das belegen Infrarotaufnahmen schottischer und französischer Forscher. An klaren Tagen kann das Gefieder der Tiere demnach so viel Wärme abstrahlen, dass seine Oberflächentemperatur weit unter die Lufttemperatur fällt. Unter diesen Bedingungen können die Tiere sogar etwas Wärme aus der eisigen Luft gewinnen – zumindest theoretisch.

Kaiserpinguine bieten ihrer Körperwärme nur wenige besondere Schlupflöcher (Farbskala von Violett über Blau nach Rot: -45 bis +5 °C). Bild: Copyright Université de Strasbourg und Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS)

Tatsächlich leite das hoch isolierende Gefieder der Kaiserpinguine Wärme so schlecht, dass die darunterliegende Haut wirksam vor Frost geschützt sei, erläutern die Forscher um Dominic McCafferty von der Universität Glasgow und seine Kollegen im Fachblatt „Biology Letters“. Aus diesem Grund werde aber auch die aus der Luft gewonnene Konvektionswärme wieder abgestrahlt, bevor sie den Körper erreichen könne.

Kaiserpinguine (Aptenodytes forsteri) pflanzen sich ausgerechnet im antarktischen Winter fort. Während die Weibchen auf Nahrungssuche im Meer gehen, ist es an den Männchen, vier Monate an Land auszuharren, das Ei auszubrüten und nach dem Schlüpfen das Küken warm zu halten. Wie die Tiere in dieser Zeit selbst widrigsten Bedingungen trotzen, untersuchten die Forscher am Beispiel einer Brutkolonie nahe der französischen Forschungsstation Dumont d’Urville in der Ostantarktis.

Foto zeigt große Pinguine, in einer Gruppe dicht zusammengedrängt Foto: Copyright Université de Strasbourg und Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS)

Während der Beobachtungen im antarktischen Wintermonat Juni erreichte die Luft unter dem meist klaren Himmel eine mittlere Temperatur von minus 18 Grad Celsius, der eisige Untergrund kühlte sich sogar auf minus 29 Grad ab. Für die Rumpfoberfläche der Pinguine ermittelten die Forscher per Infrarotkamera eine Temperatur von etwa minus 23 Grad, während die Oberflächen von Flossen, Kopf und Füßen typischerweise etwas wärmer waren als die Luft.

Gemessen an ihrer Körpertemperatur, die ähnlich hoch liegt wie des Menschen, können Kaiserpinguine ihre Wärmeabgabe an die Umgebung also effektiv beschränken. Hinzu kommt, dass sich die Männchen in Gruppen zusammenschließen, in denen sie sich dicht aneinanderschmiegen und so gegenseitig gegen Kälte und Wind abschirmen. Nichtsdestotrotz verlieren die Tiere über Monate eine Wärmeleistung von gut 40 Watt, schätzen die Forscher. Vor dem Beginn des Brutgeschäfts müssen sich die Vögel also reichlich Reserven angefressen haben.

Forschung: Dominic J. McCafferty, Institute of Biodiversity, Animal Health and Comparative Medicine, University of Glasgow; André Ancel, Département Ecologie, Physiologie et Ethologie, Institut Pluridisciplinaire Hubert Curien, Université de Strasbourg und Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS); und andere

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2012.1192

WWW:
Biodiversity, Animal Health and Comparative Medicine, University of Glasgow
Écologie fonctionelle, IPHC Strasbourg
Base Dumont d’Urville
Emperor Penguins
Mechanismen der Wärmeabgabe

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