Posted in: Biologie, Physik 21. Februar 2013 20:00 Weiter lesen →

Elektrisierte Hummeln

Nahaufnahme zeigt dicht bepelzte Hummel inmitten einer leuchtend violett gefärbten Blüte Wenn Hummeln über ein Blütenmeer fliegen, lassen sie sich nicht nur von Farben und Düften leiten. Diese Vermutung legen Experimente englischer Forscher nahe. Hummeln können demnach die elektrische Ladung einer Blüte wahrnehmen und daran vielleicht sogar erkennen, ob diese kürzlich von einer Artgenossin besucht worden ist.

Foto: Simon Koopmann via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Germany)

„Dieser neu entdeckte Kommunikationskanal könnte Blüten die Möglichkeit eröffnen, ihre Bestäuber verlässlich über den aktuellen Vorrat an Nektar und Blütenstaub zu informieren“, erklärt Heather Whitney von der Universität Bristol. Die Biologin und ihre Kollegen stellen ihre Versuche im Magazin „Science“ vor.

Schon seit Jahrzehnten ist bekannt, dass sich dicht bepelzte Bienen beim Flug durch die Luft elektrisch aufladen – nicht unähnlich einem Menschen, der sich einen Polyesterpullover über den Kopf zieht. Als Folge weisen die Insekten eine schwache positive Ladung auf, während Pflanzen aufgrund ihrer Erdung meist nicht oder nur minimal negativ geladen sind.

Whitney und Kollegen ermittelten, dass Erdhummeln nach dem Flug eine positive Nettoladung von durchschnittlich 32 Picocoulomb aufweisen – entsprechend rund 200 Millionen „verlorenen“ Elektronen. Landet eine Hummel auf einer elektrisch neutralen Petunie, so wird die Pflanze daher schlagartig ebenfalls auf ein positives elektrisches Potenzial gehoben. Dort verweilt sie etwas länger als 1 Minute, bis das Ladungsungleichgewicht wieder ausgeglichen ist.

Dieser elektrische Fingerabdruck ist deutlich genug, um von den Hummeln auch wahrgenommen zu werden, ergaben weitere Versuche. Die Tiere lernen demnach rasch, äußerlich identische Plastikblüten mit Zuckerwasser bzw. bitterer Chininlösung zu unterscheiden, wenn erstere auf einem positiven Potenzial von 30 Volt liegen, während letztere geerdet sind. Beträgt der Potenzialunterschied lediglich 10 Volt, erzielen die Tiere zwar nur noch Zufallstreffer. Nach Ansicht der Forscher sind die neuen Resultate jedoch Anlass genug, sich näher mit dem elektrischen Sinn der Hummeln und ihrer Verwandten zu befassen.

Forschung: Dominic Clarke, Heather Whitney, Gregory Sutton und Daniel Robert, School of Biological Sciences, University of Bristol

Veröffentlichung Science, DOI 10.1126/science.1230883

WWW:
Biological Sciences, University of Bristol
Elektrisches Feld
Dunkle Erdhummel

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