Posted in: Biologie, Psychologie 30. Januar 2013 19:00 Weiter lesen →

Ein Nerv für Streicheleinheiten

Foto zeigt Maus mit braunem Fell, auf einer Hand hockend, mit einem Pinsel mit weißen Borsten gestreichelt Kuscheln löst bei Menschen und auch bei vielen Tieren ein entspanntes Wohlgefühl aus. Einen Typ von Nervenfasern, der ausschließlich für diesen Effekt zuständig ist, haben amerikanische Forscher in der Haut von Mäusen identifiziert. Die Fasern sprechen weder auf Kneifen noch auf Wärme, Kälte oder chemische Reize an, sondern allein auf sanftes Streicheln.

Foto: D. Anderson Lab, Caltech

Streichelnde Hautreize und das resultierende Wohlgefühl sind typische Begleiterscheinungen etwa beim Säugen und gegenseitigen Putzen. Das Wissen um entsprechend spezialisierte Nervenfasern könne helfen, mehr über diesen sozialen Kitt in Erfahrung zu bringen, so die Biologen um Sophia Vrontou und David Anderson vom California Institute of Technology. Ob es ähnliche Streichelnerven auch beim Menschen gebe, sei allerdings noch offen, schreiben die Forscher im Magazin „Nature“.

Von den Sinnen des Menschen ist der Tastsinn der vielfältigste, zumindest mit Blick auf die zugehörigen Sensoren: Von nackten Nervenenden bis hin zu kompliziert gebauten Tastkörperchen finden sich in der Haut sehr verschiedene Strukturen, die auf Druckreize unterschiedlicher Dauer, Stärke und Frequenz ansprechen. Dass zu diesem Sensorium auch Nervenfasern für streichelnde, sanft massierende Berührungen gehören, war bereits vermutet worden. Der Beweis stand jedoch aus.

Vrontou, Anderson und Kollegen hatten bei früheren Untersuchungen an Mäusen einen Kandidat für solche Streichelnerven gefunden. Diese Zellen bilden großflächige Verästelungen in der behaarten Haut und ziehen von dort als dünne Fasern bis ins Rückenmark. Von anderen Nervenzellen unterscheiden sie sich unter anderem dadurch, dass sie ein Sensorprotein mit der Kurzbezeichnung MRGPRB4 produzieren.

Die Forscher untersuchten Mäuse, die in den mutmaßlichen Streichelnerven zwei fluoreszierende Proteine bildeten, von denen eines bei Aktivierung der Zelle vorübergehend besonders stark leuchtet. Auf diese Weise konnten sie die fraglichen Fasern an narkotisierten Tieren mit dem Mikroskop aufspüren und verfolgen, durch welche Hautreize sie zum Feuern gebracht wurden. Das Resultat: Die Fasern ignorierten fast alle getesteten Reize. Nur dann, wenn die Haut mit einem Pinsel gestreichelt wurde, feuerten sie.

Tatsächlich löst die Aktivierung der Streichelnerven bei Mäusen ein gewisses Wohlgefühl aus, konnten die Forscher mit einem Verhaltensexperiment zeigen. Dabei wurden die Nervenfasern ganz ohne mechanischen Reiz mit einem pharmakologischen Wirkstoff aktiviert, während die Mäuse in einer von zwei unterschiedlich gestalteten Kammern hockten. Später vor die Wahl gestellt, hielten sich die Tiere häufiger in jener Kammer auf, in der ihre Streichelnerven gefeuert hatten.

Forschung: Sophia Vrontou und David J. Anderson, Division of Biology, California Institute of Technology, Pasadena; und andere

Veröffentlichung Nature, Vol. 493, 31. Januar 2013, pp 669–73, DOI 10.1038/nature11810

WWW:
David Anderson Research Group, Caltech
Landkarte der Haut

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