Posted in: Biologie, Mathematik 30. Januar 2013 07:57 Weiter lesen →

Ameisen mögen keine Staus

Nahaufnahme zeigt schwarze Ameise, auf einer Papierbrücke mit Zentimetermarken eine schwarze Glasperle mit den Fühlern betastendNicht nur Autofahrer, auch Ameisen haben eine Abneigung gegen überfüllte Straßen. Das demonstrieren Versuche englischer Forscher. Je häufiger die Tiere beim Nahrungssammeln mit ihresgleichen in Kontakt kommen, desto seltener frischen sie die Duftspur auf, mit der Artgenossen auf die gleiche Ameisenstraße gelockt werden.

Foto: Copyright Tomer Czaczkes

Ein hohes Verkehrsaufkommen beeinträchtige die Transporteffizienz auf menschlichen ebenso wie auf Ameisenstraßen, schreiben die Biologen um Tomer Czaczkes von der University of Sussex im Fachblatt „Interface“. Nach Ansicht der Forscher könnte das beobachtete Verhalten aber nicht nur die Verkehrsdichte regulieren. Vielleicht verhindere es auch, „dass viel benutzte Wege eine derart intensive Duftspur erhalten, dass sich keine anderen Wege mehr entwickeln können“.

Czaczkes und Kollegen führten ihre Laborexperimente mit der auch in Deutschland häufigen Schwarzen Wegameise (Lasius niger) durch. Die Forscher verbanden hungrige Kolonien über 20 Zentimeter lange Papierbrücken mit einem Schälchen Zuckerwasser und filmten, wie sich der Verkehr zwischen Nest und Futterstelle entwickelte.

Anfangs hielten die Arbeiterinnen auf der Brücke bis zu 5-mal inne, um ihren Hinterleib an das Papier zu drücken und so einen Duftpunkt zu setzen. Mit steigender Verkehrsdichte zeigten sie dieses Verhalten jedoch immer seltener oder verzichteten gänzlich auf das Erneuern der Duftspur. Das galt insbesondere auf wenige Millimeter schmalen Brücken, auf denen sich die Tiere im Gegenverkehr zwangsläufig berührten.

Einen ähnlichen Effekt erzielten die Forscher, indem sie den Ameisen kleine schwarze Glasperlen mit dem kolonietypischen „Stallgeruch“ aus Kohlenwasserstoffen in den Weg legten. Auf breiten Brücken und solchen mit künstlich reduziertem Verkehrsaufkommen setzten die Tiere dagegen auch weiterhin vergleichsweise häufig Duftmarken.

Forschung: Tomer J. Czaczkes, Christoph Grüter und Francis L. W. Ratnieks, School of Life Sciences, University of Sussex, Falmer

Veröffentlichung Journal of the Royal Society Interface, DOI 10.1098/rsif.2012.1009

WWW:
Laboratory of Apiculture and Social Insects, University of Sussex
Lasius niger
Ant Colony Optimization Algorithms

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