Posted in: Paläontologie 29. Januar 2013 14:56 Weiter lesen →

Erfolgreich mit wenig Hirn

3D-Modell zeigt blau gefärbtes Gehirn, gelbe Hirnnerven, rotes Innenohr in transparentem Schädelfossil Am Ende einer langen Entwicklung steht nicht unbedingt ein hochkomplexes Hirn, zeigt ein in Spanien gefundenes Fossil eines Dinosauriers. Obwohl das imposante Tier aus der Gruppe der Sauropoden vom Kopf bis zur Schwanzspitze 15 Meter gemessen haben dürfte, brachte es sein Gehirn auf nicht mehr als 8 Zentimeter.

Gut genug: Das Gehirn von Ampelosaurus (blau) mitsamt Hirnnerven (gelb) und Innenohr (rot). Grafik: O. Sanisdro/CSIC

„Eine Zunahme der Hirngröße wurde während der Evolution der Sauropoden nicht begünstigt“, so das nüchterne Fazit von Fabien Knoll vom Nationalen Naturkundemuseum in Madrid. Gemessen an der Struktur des Innenohrs, dürften hastige Bewegungen ebenfalls nicht zum typischen Repertoire des Pflanzenfressers gehört haben, berichten der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „PLoS ONE“.

Das von den Paläontologen studierte Fossil ist etwa 70 Millionen Jahre alt. Es war im Jahr 2007 bei Bauarbeiten für eine Eisenbahnstrecke in der Nähe der Stadt Cuenca entdeckt und – zusammen mit Abertausenden weiterer Fossilen von Dinosauriern und Krokodilen – eilends geborgen worden. Das Tier gehört zur Gattung Ampelosaurus und damit zu einer vielfältigen und erfolgreichen Sauropodengruppe, den Titanosauriern, die bis zum Verschwinden der großen Dinosaurier weltweit verbreitet war.

Grafik zeigt Mensch, vor einem 15 Meter langen Sauropoden mit langem Hals und Schwanz stehend. Darunter: Foto des Schädelfossils als bräunliche, mit Mineralien inkrustierte Masse Grafik: O. Sanisdro/CSIC. Foto: CSIC Communicación

Zwar sind die fragilen Schädelknochen stark von Mineralien durchsetzt, was ihre Untersuchung erschwert. Den Forschern gelang es jedoch, die etwa handtellergroße Gehirnschale per Computertomografie zu durchleuchten und einen virtuellen Schädelausguss zu berechnen. Anhand dieses dreidimensionalen Modells lassen sich die Konturen des Gehirns, der Verlauf der großen Hirnnerven und auch die Form des Innenohrs rekonstruieren.

Insbesondere die Bogengänge des Innenohrs sind erstaunlich gut erkennbar. Sie sind deutlich enger geschwungen als bei ursprünglicheren Titanosauriern und sprechen daher für eine verringerte Leistungsfähigkeit des Gleichgewichtssinns. Insgesamt könne man die massigen Sauropoden kaum als Bewegungskünstler beschreiben, so Knoll und Kollegen. Und die engen Bogengänge ließen nun vermuten, dass Ampelosaurus auch nicht an rasche Bewegungen von Kopf und Hals bzw. Augen angepasst gewesen sei.

Forschung: Fabien Knoll, Departamento de Paleobiología, CSIC-Museo Nacional de Ciencias Naturales, Madrid; Lawrence M. Witmer, Department of Biomedical Sciences, College of Osteopathic Medicine, Ohio University, Athens; und andere

Veröffentlichung PLoS ONE, 8(1): e54991, DOI 10.1371/journal.pone.0054991

WWW:
Paleobiología, Museo Nacional de Ciencias Naturales
Titanosauria
Yacimiento Paleontológico de Lo Hueco
Massive Dinosaur „Graveyard“ Discovered in Spain

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Evolutionärer Schlendrian bei Faultieren
„Kindsköpfe“ bei Dinosauriern

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