Posted in: Anthropologie, Biologie 9. Januar 2013 01:01 Weiter lesen →

Mehr Griff mit Schrumpelfingern

Nahaufnahme zeigt schrumpelige Finger Wenn beim ausführlichen Baden oder Geschirrspülen die Haut der Fingerkuppen runzelig wird, lassen sich feuchte Objekte besser fassen. Diesen verblüffenden Effekt haben englische Forscher nachweisen können. Ihrer Ansicht nach könnte es sich sogar um eine evolutionäre Anpassung handeln.

Foto: A_of_Doom via Flickr (Creative Commons Attribution 2.0)

„Diese Runzeln könnten uns einstmals geholfen haben, Nahrung aus der Vegetation oder aus Fließgewässern zu sammeln“, spekuliert Tom Smulders von der Universität Newcastle. Das entsprechende Runzelprofil an den Zehen könnte frühen Menschen zudem mehr Bodenhaftung bei regnerischem Wetter verliehen haben, schreiben der Forscher und seine Kollegen im Fachblatt „Biology Letters“.

Der wasserbedingte Faltenwurf war lange Zeit als rein physikalisch-chemischer Effekt gedeutet worden, hervorgerufen durch das Aufquellen der äußeren Hornschicht der Haut. Seit einigen Jahren ist jedoch bekannt, dass das vegetative Nervensystem ebenfalls zu dem Phänomen beiträgt: Es veranlasst die Blutgefäße in Finger- und Zehenkuppen, sich zusammenziehen, sodass das Gewebevolumen unter der Hornschicht abnimmt.

Mit handfester Unterstützung von 20 Freiwilligen gingen Smulders und Kollegen nun der Frage nach, ob die Hautrunzeln einen Vorteil mit sich bringen könnten. Jeder Versuchsteilnehmer musste möglichst schnell 45 Glasmurmeln und Bleigewichte der Reihe nach aus einem Behälter nehmen, durch eine Blende führen und dann durch ein Loch in einen zweiten Behälter fallen lassen. Jeder Teilnehmer absolvierte den Test 4 Mal: mit normaler und mit runzeliger Haut, wobei die Objekte mal im Trockenen und mal unter Wasser lagen.

Hantierten die Versuchsteilnehmer mit trockenen Objekten, spielte der Zustand der Haut keine Rolle, fanden die Forscher. Anders dagegen bei nassen Objekten: In diesem Fall bewältigten die Teilnehmer die Aufgabe mit runzeligen Fingern rund 13 Prozent schneller als mit glatten Fingern. Möglicherweise fungieren die Hautfalten wie das Profil eines Autoreifens, so Smulders und Kollegen. Vielleicht weise die im Wasser runzelig gewordene Haut aber auch eine veränderte Flexibilität oder Haftung auf. Diesen und weiteren Fragen wollen die Forscher nun durch weitere Experimente nachgehen.

Forschung: Kyriacos Kareklas, Daniel Nettle und Tom V. Smulders, Institute of Neuroscience, Newcastle University, Newcastle upon Tyne

Veröffentlichung Royal Society Biology Letters, DOI 10.1098/rsbl.2012.0999

WWW:
Centre for Behaviour and Evolution, University of Newcastle
Hautaufbau

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Kleine Finger fühlen besser
Filter für feinfühlige Finger

Posted in: Anthropologie, Biologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (4 Bewertungen, im Schnitt 4,25 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


Die Kommentare sind geschlossen.