Posted in: Biologie, Geologie 7. Januar 2013 21:03 Weiter lesen →

Früher Schrecken der Meere

Grafik zeigt großes, kräftig gebautes Reptil mit spindelförmigem Körper und Flossen im sonnendurchfluteten Wasser, nach einem kleinen Verwandten schnappend Wo es Beute gibt, lassen große Räuber nicht lange auf sich warten. Entsprechende Belege liefert das Fossil eines fast 9 Meter langen Fischsauriers, das deutsche und amerikanische Forscher untersucht haben. Gemessen an seinem kräftigen Körperbau und den scharfkantigen Zähnen, dürfte das Tier eine ähnliche Rolle gespielt haben wie heutige Schwertwale und Weiße Haie – und das nur wenige Millionen Jahre nach einem Massenaussterben, dem der Großteil aller meeresbewohnenden Arten zum Opfer gefallen war.

Art by Raul Martin. © 2013 National Geographic Magazine. Reproduced with permission

Der bislang unbekannte Räuber lebte vor etwa 244 Millionen Jahren und damit lediglich 8 Millionen Jahre nach dem umfassendsten Artensterben der Erdgeschichte. Seine Existenz belege aber nicht nur die rasche Neuknüpfung der marinen Nahrungsnetze, betont Nadia Fröbisch vom Berliner Museum für Naturkunde: „Dieser Fund spiegelt die Etablierung einer neuen, höheren Ebene in der Struktur des Ökosystems wider.“

Vergleichbare Reptilien, die an Größe ebenbürtige Tiere hätten überwältigen und zerteilen können, habe es zuvor nicht in den Weltmeeren gegeben, schreiben die Forscherin und ihre Kollegen in den „Proceedings of the National Academy of Sciences“. Haie und Meeressäuger seien erst viel später aufgetaucht.

Seitenansicht des leicht plattgedrückten fossilen Schädels mit langen Zähnen Foto: John Weinstein, The Field Museum, Chicago. Copyright 2013

Das von den Forschern aus Berlin, Bonn und den Vereinigten Staaten untersuchte Fossil war bereits im Jahr 1997 im US-Bundesstaat Nevada entdeckt worden. Doch erst 11 Jahre später hatte es geborgen und im Field-Museum in Chicago vom umgebenden Gestein befreit werden können. Mit Ausnahme der Schnauzenspitze ist das Skelett des mindestens 8,6 Meter langen Ichthyosauriers demnach weitgehend vollständig erhalten.

Auffällig ist nicht nur der im Vergleich zur Körperlänge große Kopf, berichten Fröbisch und Kollegen. Auch die mehr als 12 Zentimeter großen und mit 2 Schneidekanten versehenen Zähne heben das Tier deutlich von anderen Vertretern der Ichthyosaurier ab. Auf der Grundlage dieser und weiterer Besonderheiten ordnen die Forscher den Fund einer neuen Gattung und Art zu, die sie Thalattoarchon saurophagis taufen, den „echsenfressenden Herrscher der Meere“.

Forschung: Nadia B. Fröbisch und Jörg Fröbisch, Museum für Naturkunde, Berlin; P. Martin Sander, Steinmann-Institut, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Lars Schmitz, Department of Evolution and Ecology, University of California, Davis; Olivier Rieppel, Department of Geology, The Field Museum, Chicago

Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.1216750110

WWW:
Museum für Naturkunde, Berlin
Wirbeltierpaläontologie, Uni Bonn
Fossil Amphibians and Reptiles, Field Museum
Ichthyosaurs
The Permo-Triassic Mass Extinction

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