Posted in: Biologie 19. Dezember 2012 01:01 Weiter lesen →

Wale: Ein Sonderling hat überlebt

Grafik zeigt schlanke Bartenwal mit kleinen Flippern, deutlicher Finne, dunkler Oberseite, heller Unterseite Ein ganz besonderer Wal tummelt sich in den südlichen Ozeanen, sind zwei neuseeländische Forscher überzeugt. Ihren Untersuchungen zufolge ist der Zwergglattwal der letzte Überlebende einer Walfamilie, die nach bisheriger Auffassung schon vor Jahrmillionen ausgestorben ist.

Grafik: Lycaon.cl via Wikimedia.org (Creative Commons Attribution 3.0 Unported)

„Der Zwergglattwal ist der rätselhafteste aller lebenden Bartenwale“, erklären Ewan Fordyce und Felix Marx von der University of Otago in den „Proceedings of the Royal Society“. Die neue Einordnung löse nicht nur scheinbare Widersprüche in den spärlichen Daten über die Spezies auf, so die beiden Paläontologen. „Sie schlägt auch eine Brücke zwischen einer lebenden Art und dem mutmaßlichen Ursprung der Linie vor 20 bis 25 Millionen Jahren.“

Zwergglattwale (Caperea marginata) leben in den kühleren Gewässern der Südhalbkugel und werden höchstens 6 Meter lang. Die Art wurde nie intensiv bejagt und strandet zudem selten, sodass über sie nur wenig bekannt ist. Gleichwohl bereitet sie Biologen Kopfzerbrechen, weil sie typische Merkmale verschiedener Walfamilien in sich vereint und zugleich klare Eigenheiten aufweist – etwa die Form ihrer Barten und die große Zahl von Rippen. In der Vergangenheit wurde sie daher mal der einen, mal der anderen Familie zugeordnet, bis man ihr schließlich eine eigene Familie einrichtete.

Fordyce und Marx studierten Knochen des Zwergglattwals und totgeborene Individuen, die in verschiedenen Sammlungen aufbewahrt werden. Dabei fielen den Forschern mehrere neue Besonderheiten im Bau der Schädelknochen auf. Anhand dieser und weiterer Merkmale im Knochenbau stellten sie dann einen systematischen Vergleich zwischen dem Zwergglattwal und 22 weiteren, lebenden und ausgestorbenen Walspezies an.

Das verblüffende Resultat: Der Sonderling gehört mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer formenreichen Familie von Bartenwalen, die bereits im 19. Jahrhundert beschrieben worden ist. Diese Cetotheriiden stehen den Furchenwalen näher als den Glattwalen und waren bislang nur in Form von Fossilien bekannt. Warum der Zwergglattwal den Untergang seiner Verwandten vor mehr als 2,5 Millionen Jahren überlebt hat, ist unklar. Nach Ansicht von Fordyce und Marx ist es aber denkbar, dass ihm ausgerechnet der eher an Glattwale erinnernde Knochenbau den entscheidenden Vorteil verschafft hat.

Forschung: R. Ewan Fordyce und Felix G. Marx, Department of Geology, University of Otago, Dunedin

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2012.2645

WWW:
Geology, University of Otago
The Origins and Adaptations of Mysticetes
Bartenwale
Cleaning Out the Dustbin

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Blauwale fressen akrobatisch

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