Posted in: Geschichte, Medizin 18. Dezember 2012 08:34 Weiter lesen →

Ramses III. starb durch Verschwörerhand

SW-Foto zeigt Porträtfoto eines mumifizierten Mannes Ramses III. fiel einem Mordkomplott in seinem eigenen Palast zum Opfer. Diese Ansicht bestätigt eine Untersuchung ägyptischer, italienischer und deutscher Wissenschaftler. Nicht nur fanden sie eine tiefe Schnittwunde am Hals der Mumie, die der Pharao unmöglich überlebt haben kann. Ein mit dem Herrscher, aber ohne Ehren bestatteter Mann scheint zudem jener Sohn gewesen zu sein, der durch das Komplott auf den Thron gebracht werden sollte.

Foto: Catalogue général des antiquités égyptiennes du Musée du Caire: The Royal Mummies

„Die Halsverletzung ist erst in der Computertomografie sichtbar geworden“, erklärt Zahi Hawass, ehemaliger Generalsekretär der ägyptischen Antikenverwaltung in Kairo, der die Mumie bereits mehrfach zu Gesicht bekommen hatte. „Klar war, dass Ramses 1155 v. Chr. im Alter von etwa 65 Jahren gestorben war, doch kannten wir vorher nicht die Todesursache.“

Ramses III. starb 31 Jahre nach seiner Krönung zum Pharao. Wenig später wurde seiner Nebenfrau Teje, ihrem geringschätzig nur als „Pentawer“ bezeichneten Sohn und weiteren Personen der Prozess gemacht. Laut einem Gerichtspapyrus, der heute in Turin aufbewahrt wird, sollen die Angeklagten die Ermordung des Pharao geplant haben. Ob sie ihren Anschlag auch ausführen konnten, war jedoch unbekannt.

Um diese Fragen zu klären, führten die Forscher um Hawass und Albert Zink von der Europäischen Akademie Bozen eine Computertomografie der Mumie von Ramses III. durch. Dabei fanden sie eine tiefe Schnittwunde unterhalb des Kehlkopfes, die offenbar von einer sehr scharfen Klinge herrührt und bis an die Halswirbel reicht – Luft- und Speiseröhre und die großen Blutgefäße waren durchtrennt worden. Zudem war dem Pharao ein Horusauge, ein Amulett, in die Wunde gelegt worden, um diese für das Nachleben zu heilen.

Ein weiteres Indiz ist eine als „Unbekannter Mann E“ katalogisierte, durch ihren gequälten Gesichtsausdruck auffallende Mumie. Der junge Mann war mit Ramses III. bestattet worden, zwar ohne aufwändige Vorbereitung, wie seinem Prinzen gebühren würde, dafür aber in ein als unrein geltendes Ziegenfell gehüllt. Die genetische Analyse ergab nun, dass beide Männer das gleiche Y-Geschlechtschromosom besitzen und die Hälfte aller betrachteten Regionen auf den übrigen Chromosomen gemein haben, also sehr wahrscheinlich Vater und Sohn sind.

Ungewöhnliche Hautfalten an Hals und Unterkiefer und weitere Befunde legen den Verdacht nahe, dass sich der unbekannte Mann erhängt hat. Zwar ist die Mumie seiner mutmaßlichen Mutter Teje nicht erhalten. Dennoch halten es die Forscher für sehr wahrscheinlich, dass es sich um „Pentawer“ handelt. Laut dem Turiner Gerichtspapyrus soll ihm als einem Drahtzieher des Komplotts die Möglichkeit gegeben worden sein, sich selbst zu töten und so schlimmeren Strafen im Jenseits zu entgehen.

Forschung: Zahi Hawass, Supreme Council of Antiquities, Kairo; Ashraf Selim, Department of Molecular Genetics, National Research Center, und Ancient DNA Laboratory, Egyptian Museum, Kairo; Carsten M. Pusch, Institut für Humangenetik, Eberhard-Karls-Universität Tübingen; Albert R. Zink, Institut für Mumien und den Iceman, Europäische Akademie Bozen; und andere

Veröffentlichung British Medical Journal, Vol. 345, e8268, DOI 10.1136/bmj.e8268

WWW:
Supreme Council of Antiquities
Europäische Akademie Bozen
Harem Conspiracy

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