Posted in: Psychologie, Soziales 14. Dezember 2012 18:05 Weiter lesen →

Großer Bruder vergrault Diebe

SW-Foto mit eindringlich blickenden Augen, in großen Buchstaben: Cycle thiefs. We're watching you Auch Diebe sind nicht gegen psychologische Tricks gefeit, demonstriert ein Experiment englischer Forscher. Nachdem sie an Fahrradständern große Plakate mit wachsam blickenden Augen und einer entsprechenden Mahnung aufgehängt hatten, sank die Zahl der dort gestohlenen Räder um mehr als die Hälfte.

Foto: Nettle D, Nott K, Bateson M (2012), PLoS ONE 7(12): e51738 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Offenbar „kann mithilfe der Psychologie der Überwachung eine beträchtliche Verbrechensreduzierung erzielt werden – selbst dann, wenn gar keine Überwachung stattfindet“, folgern Daniel Nettle und seine Kollegen von der Universität Newcastle im Fachblatt „PLoS ONE“. Allerdings bestehe die sehr reelle Gefahr, dass die Diebe ihr Treiben einfach in andere Zonen verlagerten.

Schon das unbestimmte Gefühl, beobachtet zu werden, wirkt sich auf das Verhalten aus. Dieser „Big Brother“-Effekt zieht sich durch George Orwells „1984“ und ist in mehreren Studien experimentell nachgewiesen worden. Für ihren jüngsten Versuch kombinierten Nettle und Kollegen das großformatige Foto eines eindringlich schauenden Mannes mit der Botschaft: „Fahrraddiebe! Wir haben euch im Auge!“

Die Forscher hängten dieses Plakat gut sichtbar über 3 Fahrradständern ihrer Universität auf, an denen in den Vorjahren besonders viele Räder gestohlen worden waren. Der Effekt war verblüffend: In den folgenden 12 Monaten wurden dem universitätseigenen Wachdienst lediglich 15 Diebstähle an den präparierten Ständern gemeldet, während es in den 12 Monaten zuvor 39 Fälle gewesen waren. Auf dem übrigen Universitätscampus stieg die Zahl der Fahrraddiebstähle dagegen von 31 auf 51.

Foto zeigt Blick auf Fahrradständer mit einigen Rädern, in etwa 2 Metern Höhe an der Wand das Augen-Plakat Foto: Nettle D, Nott K, Bateson M (2012), PLoS ONE 7(12): e51738 (Creative Commons Attribution 2.5 Generic)

Insgesamt habe sich die Zahl der Diebstähle also kaum verändert, konstatieren die Wissenschaftler. Mehr noch: Fast die gesamte Zunahme auf dem übrigen Campus ging auf das Konto von Abstellplätzen, an denen Diebstahl bis dato kein Problem gewesen war. Grundsätzlich könnten mahnende Plakate eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Präventionsmaßnahmen darstellen, schreiben Nettle und Kollegen. Allerdings müssten sie dann wohl flächendeckend aufgehängt werden.

Forschung: Daniel Nettle, Kenneth Nott und Melissa Bateson, Centre for Behaviour and Evolution, Institute of Neuroscience und Estate Security Service, Newcastle University, Newcastle

Veröffentlichung PLoS ONE, 7(12): e51738, DOI 10.1371/journal.pone.0051738

WWW:
Centre for Behaviour and Evolution, Newcastle University
ADFC: Fahrraddiebstahl

Lesen Sie dazu im Scienceticker:
„Big Brother“ fördert Fairness

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