Posted in: Biologie 3. Dezember 2012 18:00 Weiter lesen →

Wassertreten für Fortgeschrittene

Makroaufnahme zeigt stämmige Kurzfühlerschrecke mit beinahe schwarzem Panzer, hellen Querstreifen am Hinterleib, auf grasgrüner Unterlage Wasser stellt für kleine Insekten normalerweise eine klebrige Falle dar. Nicht so für eine südafrikanische Grabschrecke, haben englische Biologen entdeckt. Mit einem kräftigen Tritt ihrer Hinterbeine können die wenige Millimeter großen Tiere die Oberflächenspannung des Wassers überwinden und sich in Sicherheit katapultieren.

Foto: Burrows et al., Current Biology

Ermöglicht wird dies durch paddelartige Fortsätze an den Hinterbeinen, berichten Malcolm Burrows und Gregory Sutton von der Universität Cambridge im Fachblatt „Current Biology“. Diese Fortsätze liegen dem Bein normalerweise eng an. Beim Treten unter Wasser werden sie durch den Wasserwiderstand jedoch gespreizt, was die effektive Abdruckfläche der Beine mehr als verdoppelt und den Insekten einen Katapultstart mit dem 160-Fachen der Erdbeschleunigung gestattet.

Burrows war die erstaunliche Fähigkeit aufgefallen, als er in Südafrika sein Mittagsmahl an einem See verzehrte und immer wieder Kap-Grabschrecken (Xya capensis) aus dem Wasser ans Ufer springen sah. Die Tiere leben in überflutungsgefährdeten Bauten in Wassernähe. Zudem sind sie für beeindruckende, allerdings auch kaum kontrollierte Sprünge bekannt, bei denen sie nicht selten im Wasser landen.


Video: Burrows et al., Current Biology

Zurück im heimischen Labor, nahmen Burrows und sein Kollege den wässrigen Katapultstart genauer unter die Lupe. Die Aufnahmen mit Hochgeschwindigkeitskamera und Elektronenmikroskop enthüllten nicht nur den erstaunlichen Klapp-Paddel-Mechanismus, sondern belegten auch die Tücken des Wasserfilms: Etwa die Hälfte der von den Sprungbeinen freigesetzten Energie wird demnach benötigt, um die Oberflächenspannung des Wassers zu überwinden. Als Folge erreichen die Sprünge aus dem Wasser Höhen und Weiten von einigen Zentimetern, während es Land 1 Meter und mehr sein können.

Forschung: Malcolm Burrows und Gregory Patrick Sutton, Department of Zoology, University of Cambridge, und School of Biological Sciences, University of Bristol

Veröffentlichung Current Biology, DOI 10.1016/j.cub.2012.10.045

WWW:
Burrows Group, University of Cambridge
Tridactylidae

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