Posted in: Psychologie 6. November 2012 18:10 Weiter lesen →

Können Menschen Gefühle riechen?

Grafik zeigt klassisches Gesicht der Angst, Mann mit hochgezogenen Augenbrauen, geöffnetem Mund, ein Objekt fixierend Der Geruch des sprichwörtlichen Angstschweißes genügt vielleicht, um auch bei anderen Menschen Angst auszulösen. Entsprechende Hinweise liefert ein Experiment niederländischer Psychologen. Nachdem sie Schweiß von verängstigten oder aber angeekelten Männern gerochen hatten, legten die Versuchsteilnehmerinnen ihrerseits eine Mimik an den Tag, die typische Elemente von Angst oder Ekel enthielt.

Bild: „Terror“, Guillaume Duchenne, 1872 (gemeinfrei)

„Diese Resultate widersprechen klar der verbreiteten Annahme, dass die zwischenmenschliche Kommunikation allein auf sprachlichen und visuellen Informationskanälen beruht“, folgern die Forscher um Gün Semin von der Universität Utrecht. Nicht nur bei Tieren, auch beim Menschen könnten körpereigene Duftstoffe offenbar helfen, den Gefühlszustand innerhalb einer Gruppe zu synchronisieren, so die Psychologen. Auf diese Weise könnten sie allerdings auch die Entstehung einer Massenpanik begünstigen.

Schon ein flüchtiger Blick in ein verängstigtes Gesicht kann Menschen in einen Zustand gesteigerter Wachsamkeit versetzen und der Anblick einer sich übergebenden Person verdirbt dem Beobachter bestenfalls den Appetit. Semin und Kollegen gingen der Frage nach, ob solche emotionalen Zustände auch durch chemische Signale übertragen werden können.

Die Forscher zeigten mehreren Männern Ausschnitte aus Horrorfilmen sowie einer Fernsehserie, in der die Darsteller teils ekelerregende Mutproben auf sich nehmen, und sammelten ihren Achselschweiß mithilfe kleiner Saugpolster. Stücke dieser Polster hielten sie später insgesamt 36 Frauen unter die Nase, während diese einen Bildschirm nach verschiedenen Objekten absuchten. Dabei zeichneten sie die Aktivierung einzelner Gesichtsmuskeln, die Augenbewegungen und die Nasenatmung der Teilnehmerinnen auf.

Der Geruch von Schweiß verängstigter Männer rief bei den Frauen eine verstärkte Aktivierung des über die Stirn verlaufenden Augenbrauenheber-Muskels hervor, ermittelten die Forscher. Im Fall angewiderter Männer wurde dagegen der Oberlippenheber aktiviert – entsprechend dem jeweils typischen Gesichtsausdruck bei Angst bzw. Ekel. Angst-Schweiß bewirkte außerdem, dass die Nasenatmung der Frauen vorübergehend tiefer wurde und ihr Blick rascher von einem Objekt zum nächsten sprang. Dagegen schien Ekel-Schweiß die Informationsaufnahme durch Augen und Nase eher zu reduzieren.

Die Teilnehmerinnen selbst seien sich dieser Effekte nicht bewusst gewesen, schreiben Semin und Kollegen. Nach Ansicht der Psychologen stützen diese Resultate die Vermutung, dass chemische Signale ein Medium darstellen, um einen emotionalen Zustand von einer Person förmlich auf eine andere überspringen zu lassen.

Forschung: Jasper H. B. de Groot, Monique A. M. Smeets, Annemarie Kaldewaij, Maarten J. A. Duijndam und Gün R. Semin, Faculteit Sociale Wetenschappen, Sociale en Organisatiepsychologie, Universiteit Utrecht

Veröffentlichung Psychological Science, DOI 10.1177/0956797612445317

WWW:
Communication, Social Cognition & Language Research Group, Utrecht
Emotionen
Mimische Muskulatur

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