Betäubender Bienenbiss
Bienen können sich nicht nur mit ihrem Giftstachel wehren. Auch der Biss einer Honigbiene hat es in sich, zeigen Experimente griechischer Forscher. Wenn sich die Kiefer einer Biene um einen kleinen Parasiten oder Lästling schließen, injizieren sie demnach winzige Mengen eines lähmenden Sekrets.
Foto: Gilles San Martin via Flickr (Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0)
Die betäubende Wirkung stellt sich nicht nur im Nervensystem von Insekten ein, ermittelten Alexandros Papachristoforou von der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Auch Nervenzellen von Säugetieren werden durch einen Inhaltsstoff des Sekrets zeitweise stillgelegt, berichten die Biologen im Fachblatt „PLoS ONE“. Daher lasse sich diese Verbindung vielleicht als medizinisches Anästhetikum nutzen. Ein entsprechender Patentantrag ist bereits gestellt.
Papachristoforou und Kollegen kamen dem Effekt auf die Spur, als sie die Reaktion von Honigbienen auf Varroamilben und auf Raupen von Wachsmotten studierten. Diese Parasiten im Bienenstock sind zu klein, als dass sie sich wirksam mit dem Giftstachel bekämpfen ließen. Stattdessen werden sie gebissen und sind in der Folge mehrere Minuten oder – im Fall der Varroamilbe – sogar langfristig bewegungsunfähig. Verantwortlich für diesen Effekt ist die Verbindung 2-Heptanon, fanden die Forscher.
Die Verbindung wird in den Mandibeldrüsen an der Basis der Bienenkiefer produziert. Beim Biss fließt das Drüsensekret durch eine schmale Furche bis an die eigentliche Bisskante der Kiefer und kann so in den Körper des gebissenen Tieres gelangen. Ähnlich dem Lokalanästhetikum Lidocain blockiert 2-Heptanon Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen, sodass diese nicht mehr feuern können, berichten die Forscher.
Dass Bienen 2-Heptanon produzieren, ist seit mehreren Jahrzehnten bekannt. Bislang war die Verbindung mal als Alarmpheromon, das Artgenossen in Abwehrbereitschaft versetzt, und mal als Markierung für ausgelaugte Blüten betrachtet worden. Nach Ansicht von Papachristoforou und Kollegen gibt es jedoch für keine dieser Hypothesen stichhaltige Belege.
Forschung: Alexandros Papachristoforou und George Theophilidis, Laboratory of Animal Physiology, Aristotle University, Thessaloniki, und Laboratoire Évolution, Génomes et Spéciation, CNRS, Gif-sur-Yvette; und andere
Veröffentlichung PLoS ONE 7(10): e47432, DOI 10.1371/journal.pone.0047432
WWW:
Biologie, Aristoteles-Universität Thessaloniki
Anatomie der Biene
2-Heptanone
Lokalanästhetika
Lesen Sie dazu im Scienceticker:
Erfolgsmodell Biene
Antibiotika aus dem Bienenstock



(6 Bewertungen, im Schnitt 4,83 von 5)
Empfehlen Sie den Text weiter!
Drucken



