Posted in: Paläontologie 3. Oktober 2012 19:45 Weiter lesen →

Sauropoden: Hals war beweglicher als gedacht

Der lange Hals sauropoder Dinosaurier könnte deutlich leichter und beweglicher gewesen sein als bislang angenommen. Darauf deutet eine Analyse der Halsrippen hin, die Paläontologen der Universität Bonn und der Universität Flensburg vorgelegt haben. Die Forscher interpretieren darin die Halsrippen als verknöcherte Sehnen.

Skelett des Mamenchisaurus im Museum in Zigong, China Skelett des Sauropoden Mamenchisaurus im Museum in Zigong, China. Foto: Nicole Klein/Uni Bonn

Die Sauropoden waren die größten landlebenden Tiere, die es jemals auf der Erde gab. Umstritten ist unter Forschern bis heute, warum die Tiere einen so langen Hals entwickelten. Eine Hypothese besagt, die Sauropoden hätten den Hals vor allem für das Fressen in hohen Bäumen genutzt; er sei daher für eine vertikale Haltung ausgerichtet gewesen. Andere Forscher argumentieren, dass die Sauropoden den Hals eher als horizontale Verlängerung nutzten und vor allem in niedrigen Bäumen und Sträuchern ihr Futter suchten.

Das Problem bei der Rekonstruktion der Halshaltung liegt vor allem darin, dass es unterschiedliche Annahmen über mechanisch relevante Strukturen gibt. „Eine weit verbreitete Hypothese zur Halshaltung geht von einer Funktion der Halsrippen als Stützstäbe an der Halsunterseite aus“, sagt Martin Sander vom Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn. Durch diese Stützfunktion würde in erster Linie die Last des Halses abgefangen und zum Rumpf geleitet. Die konkurrierende Hypothese postuliert, dass die Halsrippen dazu dienten, parallel zum Hals verlaufende Muskelkräfte aufzunehmen. Dadurch wären schwere Muskelpartien zur Steuerung und zum Tragen des Halses in den vorderen Rumpfbereich verlegt worden. Der Hals wäre dann wie bei einer Marionette durch Seilzüge bewegt worden und konnte somit deutlich schlanker und leichter werden. Ein leichterer Hals hätte weniger Energie verbraucht und konnte deshalb länger sein.

Um die beiden Hypothesen zu testen, haben die Forscher die Mikrostruktur der Halsrippen unter dem Mikroskop untersucht. Sie verglichen dabei Proben dreier fossiler Funde von Sauropoden aus China, Ostafrika und Nordamerika.

Die Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, „dass die Halsrippen in erster Linie aus parallel zum Hals verlaufenden Fasern bestehen, welche letztlich nichts anderes sind als verknöcherte Sehnen“, sagt Nicole Klein von der Universität Bonn. Die Ausrichtung der Fasern zeige eindeutig dem Hals entlang verlaufende Zugkräfte an und sei nicht mit der Stützstab-Theorie vereinbar. Diese Ergebnisse legen einen leichteren und beweglicheren Hals nahe, als bislang für Sauropoden angenommen worden ist. Derartige verknöcherte Sehnen sind auch typisch für Vögel.

Forschung: Nicole Klein, P. Martin Sander, Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie der Universität Bonn; Andreas Christian, Universität Flensburg; Online-Veröffentlichung in den „Biology Letters“, Royal Society of London, 3.10.2012, DOI: 10.1098/rsbl.2012.0778

WWW:
Online-Veröffentlichung in den „Biology Letters“
Steinmann-Institut für Geologie, Mineralogie und Paläontologie, Bereich Paläontologie
Dinosaurier.org

Posted in: Paläontologie
Möchten Sie den Beitrag bewerten?
SchlechtLangweiligGut zu wissenInteressantSpannend! (9 Bewertungen, im Schnitt 4,89 von 5)
Loading...

Drucken Drucken


1 Kommentar zu "Sauropoden: Hals war beweglicher als gedacht"

Trackback | Comments RSS Feed

  1. Theodora Pape sagt:

    Es passt eventuell nicht jedem, aber ein Schwanenhals für Dinosaurier – also auch ähnlich „getragen“ – kann ich mir schon vorstellen.

    Gruß