Posted in: Anthropologie, Biologie 24. September 2012 18:00 Weiter lesen →

Rapides Gehirnwachstum im Mutterleib

Orangerot eingefärbte 3D-Modelle und Zeichnungen eines Schimpansenfötus im Mutterleib Bereits im Mutterleib wächst das menschliche Gehirn außergewöhnlich schnell und ausdauernd. Das haben japanische Forscher bei einem Vergleich zwischen Mensch und Schimpanse ermittelt. Während das Gehirn menschlicher Föten in kontinuierlich steigendem Tempo an Größe zulegt, sinkt die Wachstumsgeschwindigkeit bei Schimpansenföten nach etwa zwei Dritteln der Schwangerschaftsdauer wieder.

Bild: Current Biology, Sakai et al.: „Fetal brain development in chimpanzees versus humans“

Das Gehirn eines erwachsenen Menschen bringt es auf ein Volumen von rund 1,4 Litern, während es beim ausgewachsenen Schimpansen gut 0,4 Liter sind. Die neuen Ergebnisse belegten, dass die Basis für diesen Größenunterschied bereits im Mutterleib geschaffen werde, erklärt Satoshi Hirata von der Kyoto-Universität. „Bislang wusste niemand, wie früh diese Unterschiede auftauchen“, so der Primatenforscher.

Hirata und Kollegen verfolgten die Gehirnentwicklung beim Schimpansen anhand zweier schwangerer Weibchen. Zwischen der 14. und 34. Schwangerschaftswoche machten die Forscher regelmäßig Ultraschallaufnahmen der Föten, anhand derer sie dreidimensionale Gehirnmodelle zur Vermessung berechneten. Die Resultate verglichen sie mit Literaturangaben zur Gehirnentwicklung bei menschlichen Ungeborenen.

Schon in der 16. von rund 34 Schwangerschaftswochen ist das Gehirn eines Schimpansenfötus mit einem Volumen von 16 Millilitern nur etwa halb groß ist wie das eines menschlichen Fötus, berichten die Forscher. Ab der 22. Schwangerschaftswoche sinkt seine Wachstumsgeschwindigkeit dann sogar, während sie beim menschlichen Fötus weiter steigt: In der 32. Schwangerschaftswoche beträgt der wöchentliche Zuwachs nur etwa 4 Milliliter beim Schimpansen und gut 26 Milliliter beim Menschen.

Nach der Trennung der Evolutionslinien von Mensch und Schimpanse hätten sich wohl auch die Muster des vorgeburtlichen Gehirnwachstums stark auseinanderentwickelt, folgern Hirata und Kollegen: „Das Aufrechterhalten einer hohen Wachstumsgeschwindigkeit im Mutterleib hat ganz offenbar zu der beträchtlichen Vergrößerung des menschlichen Gehirns beigetragen.“

Forschung: Tomoko Sakai und Satoshi Hirata, Primate Research Institute, Kyoto University, Inuyama, und Great Ape Research Institute, Hayashibara Biochemical Laboratories Inc., Tamano; Hideko Takeshita, Department of Human Relations Studies, University of Shiga Prefecture, Hikone; und andere

Veröffentlichung Current Biology, Vol. 22(18), DOI 10.1016/j.cub.2012.06.062

WWW:
Primate Research Institute, Kyoto University
Bigger Brains

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